Dafür steckten wir bald im dichtesten Wald, Baum an Baum, so eng aneinanderstehend, dass nur ein Hauch von Nebel dazwischen Platz fand und so dunkel, dass am anderen Ende nicht einmal ein kleinster Lichtschein zu erkennen war. Ab und zu raschelte es dort hinten im finsteren Nadeldickicht, hin und wieder sahen wir die watteweißen Schwanzpuschel von scheuen Rehen auf- und abspringen. Einige sehr mutige Waldbewohner kreuzten uns sogar den Weg, um danach sofort wieder in den Nebelschwaden zu verschwinden.
Der feuchte, frische Wasserdunst fing an sich in unseren Haaren und Klamotten abzusetzen, als wäre er zu müde, um an diesem tristen Morgen in der Luft zu schweben, er ließ sich lieber von uns tragen.
Lange, lange Zeit später verloren wir ein paar Höhenmeter, und mit ihnen auch das gruselige, graue Wetter. Ja, sogar die liebe Sonne ließ sich blicken und leistete uns Gesellschaft, als wir in dem hübschen Örtchen Agés in diesem kleinen Laden ein Riesen-Bocadillo mit feinstem Serano, Bergkäse und Tomaten vorgesetzt bekamen.
Davon konnten wir noch den ganzen Tag zehren.
Auf dem weiteren Weg trafen wir Michael, der aus irgendeiner Ecke Deutschlands gestartet war. Damit Michael seinen Rucksack nicht permanent auf seinen Schultern tragen muss, hat er sich was tolles ausgedacht. Einen Bauchgurt, eine Klappleiter und ein Sätze Räder; daraus hat Michael sich ein duftes Fahrgestell gebaut und kurvt damit seither durch Europa.
Unsere Energietanks standen nach dieser umfangreichen Snackpause kurz vor dem Explodieren, nichts wie ab nach Cardañuela!
Der Weg verlangte uns noch einmal alles ab! Schattenlose Superanstiege, Felswege, hier oben wuchs nichts mehr als dürre Dornenbüsche und Stacheldrahtzaun. Es war nicht verwunderlich, dass hier ursprünglich eine riesige Militärzone plaziert war.
Abwärts war es nicht minder anstrengend. Wir hatten alle Hände voll damit zu tun, unsere Kniescheiben und Gelenke an rechter Stelle zu behalten und dem drückenden Rückengewicht keine Überhand zu verleihen, andernfalls wären wir kopfüber ins Rollen und erst am Dorfanfang wieder zum Stehen gekommen. Besonders Danilo hatte sehr mit Gelenkproblemen zu kämpfen.
Erleichtert und froh kamen wir, auf beiden Beinen stehend, unten an und suchten zusammen mit Rachel, die wir gerade erst kennengelernt hatten, eine nette Herberge auf. Nett ist gut gesagt; die Herberge war niegel nagel neu, hatte einen Pool und wurde von einer goldigen, kleinen, spanischen Familie betrieben. Dass wir Rachel getroffen hatten, war ein absoluter Glücksgriff, denn die Spanier konnten oder wollten kein Wort Englisch sprechen, somit konnte sie, die die Landessprache excellent beherrschte, zwischen uns vermitteln.
Mit der Zeit füllte sich die Herberge. Wir bekamen spanische, französische, jugoslawische, asiatische, österreichische und natürlich deutsche Zimmergenossen.
Am Abend hatten wir alle zusammen Dinner an einer großen Tafel, wobei die zwei alten, spanischen Ladies, die das Essen servierten und dabei mehr mit ihren fuchtelnden Händen als mit ihren Stimmen redeten, ein wenig das Chaos ausbrechen ließen, nicht um alles, dass die Teller und Tassen mit Lichtgeschwindigkeit durch die Gegen geflogen wären. Dazu wurde laut und zackig gespaniert, wobei wir, die Gäste, bis auf 3 Ausnahmen am Tisch, kein Wort verstanden.
Ob man Spanisch versteht oder nicht, das interessiert hier vorallem die älteren Herrschaften überhaupt nicht. Es wird gnadenlos weitergerattert. Was bleibt einem also übrig, als mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn freundlich zu lächeln und zu nicken? Schon ein lustiges Völkchen, diese Spanier.
Während die 2 Wuselomas die Tafel abräumten, verfielen wir in ein paar lustige Gespräche mit unseren Pilgergenossen. Dabei kamen wir auch mit den beiden spanischen Pilgerdamen ins Gespräch, denen wir auf dem heutigen Wege schon begegnet waren, und die Kurt, der seit Anbeginn an meinem Rucksack hin und her baumelt, so süß fanden, dass sie uns aus der Ferne fotografiert hatten.
Jaja, der Kurt; der kleine rosa Bär wurde hier schon des öfteren beschmunzelt und abgelichtet, am meisten jedoch von unseren asiatischen Wanderkollegen.
Impressionen des Tages:
An dieser Stelle auch ein fettes happy birthday an die liebe Frau Mama, die heute ihren Geburtstag feiert!!!!















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