Sonntag, 16. August 2015

Tag 29 - Reise nach Jerusalem

05:00 Uhr. Stockfinstere Nacht. Gerne wären wir einfach losgelaufen, doch da gab es 2 Probleme: Man konnte dort draußen die Hand vor Augen nicht sehen und außerdem regnete es in Strömen. Es hatte alles keinen Wert, wir mussten warten, bis es hell wird. Und solange hielten wir uns in unserem Zimmer auf, in dem die anderen Drei seelenruhig schlummerten. Eventuell konnten wir bei der Gelegenheit auch noch einmal kurz die Augen zumachen? Einen Versuch war es wert, schnell ins Bett! ...Mist, Fehlanzeige...Jetzt fing der Ami an seiner Schwester nachzueifern; er war nicht weniger talentiert.
Als die Sonne endlich über die Nacht siegte und die Welt in ein dunkles Orange tauchte, konnten wir aufbrechen. Unser Frühstück bestand heute aus aufgewärmten Pulvergetränken und abgepacktem Fertigkuchen. Yay. 
Ein ausdrucksloser, leerer Blick, den wir zwei Geplagten uns gegenseitig zuwarfen, genügte - wir waren uns einig, dass wir hier ganz schnell wegkommen wollten. Die Idee war allerdings nicht innovativ und so wanderten wir an diesem Morgen ungewollt mit all den 16895227 anderen Pilgern gemeinsam los.
Der Regen wurde von Stunde zu Stunde heftiger, bald konnte man die Augen kaum mehr offen halten, da das Wasser einem so stark ins Gesicht spritze. Dazu kam eine eisige Kälte. Selbst die teuerste Regenjacke hätte dem Sauwetter nicht standgehalten. Auch unser gesamtes Leben, das sich in unseren Backpacks befand, war mittlerweile im Regenwasser ersoffen. Wir mussten uns dringend aufwärmen. Aber egal wo man anhalten wollte, die Restaurants und Bars waren bis auf den letzten Zentimeter mit Pilgern ausgestopft. Erst nach einer ganzen Weile fanden wir eine Hütte, in der noch Platz war. 
In dieser verbrachten wir eine ganze Stunde, aßen Linsensuppe und tranken heißen Kakao und trotzdem schafften wir es nicht auf Normaltemperatur zu kommen. Da die Zeit aber drängte, mussten wir weiter.
An der ofiziellen Endstation wurde das Wetter langsam erträglich, trotzdem zogen wir vorbei, da sich hier schon Schlangen vor den Herbergen gebildet hatten.
Wir kamen uns vor, als würden wir die Reise nach Jerusalem spielen; wer nicht schnell genug ist, bekommt keinen Platz. Auf das Spiel hatten wir aber keine Lust! Deswegen gingen wir weiter.
Und dann war es, wie es im Buche steht: Nach diesem von Reiseführern vorgegebenen Tagesziel verschwanden die Massen von den Wegen, wir hatten plötzlich alles wieder für uns. Und weil wir nicht genug bekommen konnten, pilgerten wir weiter und weiter, bis der nächste Sprung satte 11km betrug, hier machten wir vorher Stopp. 
Leider hatten wir auch heute etwas Pech mit unserer Herberswahl. Zwar sehr günstig, aber auch ziemlich schäbig. Die knauserige, alte Dame des Hauses checkte uns ein und teilte uns den letzten beiden Betten in einem viel zu kleinen Zimmer zu. Es war wahnsinnig stickig und feucht in den vier Wänden, doch keiner unserer Zimmergenossen dachte daran vielleicht mal ein Fenster zu öffnen. Das war auch die Erklährung für den prächtig wachsenden Schimmel an unserer Wand...lecker. Wenigstens konnten wir eine heiße Dusche nehmen.
Danach wollten wir bloß kurz dösen, ratzten aber komplett ein und wachten erst nach 22 Uhr wieder auf. Sperrstunde, nun waren alle Türen nach draußen verriegelt. Auch die zum Waschbereich, in dem unsere Wäsche noch im Trockner verweilte. Die alte Dame würde erst am nächsten Mittag wieder herkommen, bis dahin würden wir wohl warten müssen. Einen halben Tag verschenken? Das kam nicht in Frage! Danilo hatte eine Idee. Er öffnete das Fenster in der Küche, welches direkt zum Waschbereich führte, und er hatte Glück! Der Spalt war gerade so breit, dass er durchklettern und unseren Kram hereinholen konnte. Zum Glück gab es keine Alarmanlage! :)

                  etwas nass hier...



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