Gegen frühen Mittag kamen wir in Ponferrada an. Scheinbar waren wir über einen alternativen Weg in das Städtchen reingelaufen, denn wir fanden kaum noch Wegweiser und orientierten uns rein auf gut Glück. Dann standen wir plötzlich mit großen, funkelnden Kinderaugen vor einer riesigen Burg. Eigentlich wollten wir hier bloß durchlaufen und weiter zu unserer Endstation wandern, aber da wir beide Burgenkram total lieben, sahen wir uns gezwungen eine Weile hier zu bleiben und suchten uns auch direkt eine Herberge. Diese Suche stellte sich als große Herausforderung dar, denn wir konnten verflixt nochmal keine finden. Erst nach mehrmaligem Fragen und, nachdem wir satte 3 Male um die Burg drumherum gelaufen waren, fanden wir die donative 160-Betten-Herberge mit Fußbad und Kapelle.
Keine Minute zu früh! Gerade so wurden uns die letzten Betten zugeteilt, alle nach uns wurden mit Notmatratzen, die sie im Gemeinschaftsraum ausbreiteten, vertröstet, während wir uns über ein 4er Zimmer mit 2 Spaniern freuten.
Nach dem Check-in liefen wir ein viertes Mal zur Burg, diesmal aber würden wir diese prächtigen Mauern und Türme, die einst unter der Hand der Tempelritter stand, besichtigen. Und wir wurden nicht enttäuscht, hier gab es viel zu sehen. Uralte Schriften, Bücher, Räumlichkeiten mit hohen Decken, in denen heutzutage klassische Konzerte veranstaltet werden, enge Wendeltreppen und Aussichtsplatformen und und und. Allerdings wussten wir nie so richtig, was genau wir gerade begutachteten, dafür reichten unsere Spanischkenntnisse leider nicht aus.
In der Ferne konnten wir eine große Rauchwolke sehen. Ohweija, da schien etwas zu brennen. Hoffentlich nichts Ernstes!
Um 20:00 Uhr besuchten wir den Pilgergottesdienst in der kleinen Kapelle unserer Herberge, der von mehreren Pfarrern und Geistlichen aus den verschiedensten Ecken der Welt gehalten wurde. Da wagte es tatsächlich eine Pilgerin während einer Minute des Schweigens, die zur Besinnung gedacht war, mit ihrem bescheuerten 3x1Meter-iPad ein Foto der Pfarrer zu machen, natürlich mit hallendem, überlauten Klickton. Ja, die Schamgrenzen sind hier sehr tief gesetzt, nicht aber fürs Fremdschämen! Die Männer ließen sich nichts anmerken und fuhren fort. Zum Ende traten alle Pilger nach vorn und so bekamen wir unseren ersten Pilgersegen. Danach wurden wir wieder in die weite Welt entlassen.
Unser erster Weg führte uns in die Küche, doch an Kochen war hier nicht mehr zu denken. Es schien, als würden gerade jetzt alle 160 Pilger ihr Abendessen zubereiten. Also beschlossen wir ohne Abendessen ins Bett zu gehen.
Die Rauchwolke, die sich am Nachmittag schon langsam in unsere Richtung bewegt hatte, hatte nun das Städtchen nun schon komplett eingehüllt, die Berge waren schon nicht mehr zu sehen und es roch fürchterlich, sodass es uns unmöglich war die Fenster über Nacht offen zu lassen, obgleich die Luft in unserem 2-Quadratmeter-Zimmer stand.
Sind wir mal gespannt, was man sich morgen als Ursache erzählt.
Impressionen des Tages:













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