Mittwoch, 5. August 2015

Tag 18 - Halftime!

Was für eine Nacht...Eigentlich denkt man, wenn nur 4 Personen in einem so großen, gut unterteilten Zimmer übernachten, sollten da doch jeder zur Ruhe kommen. Naaaaaja, diesmal nicht.
Es war circa 00:30 Uhr, als plötzlich Hektik im Raum aufkochte. Der Ami neben uns wuselte nervös durch die Gegend, lief immer wieder zur Männertoilette und zurück. Dann raschelte er in seinem Schlafsack herum. Leises Fluchen. Ruhe. 5 Minuten später wiederholte sich das Spiel. Er füllte in der Toilette eine Plastikflasche mit Wasser und verschwand in seinem Eck, wo sein Stockbett stand. Raschel, raschel, raschel, Fluchen, Ruhe. Weitere 5 Minuten später wieder Lärm. Dieses Mal traute ich meinen Augen nicht. Erst dachte ich, dass er sich an meinem Rucksack zuschaffen machen wollte, doch dann lief er daran vorbei an ein anderes Bett. Kurz darauf lief eine Matratze hochkant durch den Raum. Was zur Hölle macht der Typ da?! Er nahm das Ding mit in seine Ecke und werkelte herum. Dabei brabbelte er irgendetwas Unverständliches durch die Gegend. Er verschwand nochmals auf der Toilette und torkelte zurück in sein Bett, raschel, raschel, raschel, Ruhe. Keine 5 Minuten später stand er schon wieder auf, bepackt mit seinem Schlafsack, und legte sich in ein Bett am anderen Ende des Raumes; dort, wo der Asiate lag. Und der schnarchte. Also ging es ein paar Minuten später weiter, die Nervbacke trampelte wieder durch das Zimmer und legte sich in sein altes Bett zurück. Nun war es 01:27 Uhr. Ich war wach. Draußen tobten jetzt die Feierwütigen durch die Straßen, was mir beim Wiedereinschlafen wenig half. Ebenso wenig der blauleuchtende Lichtschalter, der penetrant in mein Gesicht strahlte. Ich drehte mich Richtung Wand und versuchte mein Bestes. Bei meiner Halbdrehung wurde dann auch Danilo wach, kam herübergekrochen und flüsterte in sanfter, belehrender Stimme: "Hey, du bist so unruhig, dein Schlafsack raschelt die ganze Zeit, versuch nun mal zu schlafen!" Ich spürte einen nassen Trostschmatzer auf der Wange, dann kuschelte er sich wieder in sein Bett. Ernsthaft? Er war tatsächlich der Meinung, dass ich das Affentheater veranstaltet hätte. Ich schnaubte nur und zog den Schlafsack über meinen Kopf, in der Hoffnung, dass es dort drin ein Nirvana geben würde, in das ich fliehen könnte. Tatsächlich schlief ich ein.
05:18 Uhr. Eine Kopflampe leuchtete in unsere Richtung. Der Lichtschein driftere wieder ab. Reißverschlüsse wurden aufgezogen, Plastiktüten herausgezogen und befüllt. Reißverschluss ratsch, Plastiktüte, Reißverschluss ratsch, wieder Plastiktüte. Gute 20 Minuten später kehrte Ruhe ein. Dann verschwand der Asiate im Badezimmer. Als er wieder herauskam, wiederholte er sein geräuschintensives "Ich-packe-meinen-Koffer" bis er dann, endlich, nach mehr als 1 Stunde Nerverei über die Treppe verschwand und nicht mehr wiederkam.
Eine halbe Stunde himmliche Ruhe wollte ich mir noch gönnen. Dann ging die Badezimmertür auf und der Ami trat aus der überschwemmten Nasszelle heraus, der uns am Vorabend eigentlich stolz erzählt hatte, er würde um 05:00 Uhr loslaufen wollen. Und jetzt war er immer noch da. Ich gab auf, wir standen wenig später auf und suchten das Weite.

Ansonsten gibt es heute wirklich nicht viel zu erzählen. Der Pilgerweg war wenig spannend. Im ersten Dorf trafen wir Wibi und liefen zu dritt in den nächsten Ort, wo wir kurz frühstückten, ein paar Leute trafen und danach dachten Hobbiton gefunden zu haben, allerdings in äußerst schlechtem Zustand.


Dann stellte sich heraus, dass hier niemand wohnte, sondern hier Wein gelagert wird. Wäre auch zu lustig gewesen.
Die Strecke war sehr langläufig, doch mit tiefgründigen Themen und der Sucherei nach dem richtigen Weg war es recht gut zu überstehen. 
           wohin? wohin? wohin??

Im Übrigen haben wir nun die Hälfte der Gesamtstrecke hinter uns gebracht! Jippiejajey!
Gegen Abend kamen wir in Bercianos an. Blöderweise war die Herberge, die wir uns ausgesucht hatten, wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Nun gab es noch genau eine Alternative, die sich auf unserer Budgetlinie befand. Etwas angespannt tippelten wir dort hin, in der Hoffnung, dass sie nicht ausgebucht sei. Vor der Tür saßen 2 junge Frauen. Ihre freundlichen Mienen verrieten uns instant, dass wir Glück hatten. Sie baten uns herein und schenkten uns eiskalten Schwarzen Tee mit Zitrone und Nelke ein, währenddessen sie den Papierkram erledigten. Danach durften wir unsere Betten in einem sehr kleinen, engen 12er Zimmer beziehen. Auf dem Weg in diesen Pilgerkäfig sahen wir, dass die Herberge "Notfallmatratzen" gebunkert hatte, auf denen spät eintreffende Pilger im Falle einer Überfüllung trotzdem noch eine Möglichkeit zur Übernachtung hatten. Wir fragten, ob es möglich wäre auf diesen im Flur zu nächtigen, anstatt mit 10 anderen Schnarchnasen auf kleinstem Raum um Sauerstoff zu kämpfen. Die Ladies berieten sich kurz mit einem kleinen Mann, der uns entschlossen aufforderte ihm zu folgen. Durch die Schlafräume hindurch führte der Kurze uns hinter einen Vorhang. Dahinter befand sich noch ein weiterer, dunkler Gang mit mehreren Türen. Die erste öffnete er und presentierte uns ein Vierbettzimmer. Na, das war ja mal einfach. Wir konnten unser Glück ja kaum fassen, zogen ein und freuten uns dabei wie 12-jährige kleine Mädchen, die zum ersten Mal eine Übernachtungsparty feiern dürften. Als später noch die anderen eintrafen, bekamen auch sie ein Viererzimmer und Marina, die Fünfte im Bunde, kam zu uns.
Die Situation wurde mit dem perfekten Abendessen abgerundet, das Herbergsmamas und -papa und die Pilger zusammen kochten und an zwei großen Tafeln, die draußen in der Straße aufgebaut wurden, verzerrt. 

Zugegeben, das sah echt scheiße aus, komischerweise schmeckte es aber verdammt gut. Lag eventuell auch am Rotwein, der so herb und schwer war, dass einem fast die Geschmacksknospen freiwillig aus dem Mund sprangen.
Auch den Abwasch erledigten wir kollektiv. Mit einem farbenfrohen Sonnenuntergang kam auch so langsam die Müdigkeit. Zähne putzen, Pipi machen, ab ins Bett. Heute sollten wir endlich besser schlafen.

Impressionen des Tages:
Aufbruchsstimmung nach dem Frühstück

Lunch mit knochenhartem Brot, Thunfisch und Ziegenkäse

Danilo hat sich fiese Holzsplitter eingefangen...in den Po!
                              ...

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