Freitag, 14. August 2015

Tag 27 - level up

"Wenn ihr in Ruhe schlafen wollt, nehmt euch ein Hotelzimmer!" So schlau endete die Auseinandersetzung mit unseren italienischen Spitzenradlern, nachdem wir sie um halb 6 Uhr morgens noch relativ freundlich darauf aufmerksam machten, dass sie nicht die einzigen Personen in diesem Raum seien. Aber das störte die Herrschaften keines Wegs und so packten sie gemütlich weiter zusammen, kicherten laut vor sich hin, kruschelten im Chor und beleuchteten mit ihren Stirnlampen alles, nur nicht ihren eigenen Kram. Danach fuhren sie nicht etwa los, nein, jetzt trafen wir sie beim Frühstück wieder. Das Frühstück aus Rücksicht auf die anderen Zimmergenossen vorzuziehen und anschließend zu packen, so schlau waren sie dann doch nicht. Aber hey, Zeit und Nerven sind zu kostbar, um sie dafür zu verschwenden sich über weiche Hirnmassen aufzuregen. Stattdessen starteten wir durch und erklimmten die nächsten kleineren Berge, die sich auf unserem track ausgebreitet hatten. Hoch und runter, immer wieder, ein Bauernhof am nächsten. Da ich eine wirklich glückliche Kindheit genossen und einige Ferien auf einem Bauernhof verbracht habe, zeigte sich hier ein verblüffendes Phänomen: Die ja sehr streng riechende Bauernluft löst bei mir keinen Brechreitz, wie bei manch anderen Leuten, aus, sondern versetzt mich in eine Art Urlaubsfelling. Etwas, das mich an die früheren Familienurlaube erinnert. Kurz um: Wenns nach Kuhscheiße riecht, komme ich in Urlaubsmodus. Irgendwie finde ich das ziemlich strange und gleichermaßen belustigend.
Heute war aber auch durch und durch ein guter Tag, wenn man mal die ersten 60 Minuten des Tages außer Acht lässt. Die Strecke war super schön, überall liefen Tiere mit ihren Babies frei herum, der Weg führte uns durch tiefe, kühle Wälder, vorbei an Bächen und quirligen Flüßen, an semi-professionell zusammengezimmerten hölzernen Ständchen mit frischem Obst, eingebettet in kleinen, handgerechten Schalen, zum Ein-Euro-Mitnehmpreis. Kurz vor Schluss kamen wir an einem Hippie-Anwesen vorbei und mussten einfach anhalten, weil es hier so herrlich nach Saft und Gebäck roch, natürlich alles aus eigener Hand. In einem Kreis aus alten Stühlen und Sesseln saßen ein paar Hippies und ebenso viele Pilger zusammen und genossen ihr Dasein mit verschiedensten Leckereien aus getrockneten Früchten, einer Variation aus frischgebackenen Kuchen und Keksen, Kaffee, Fruchtsaft und vielem mehr, und unterhielten sich leise. Hier lernten wir auch Franzi aus Berlin kennen,  die den Trip hier ganz allein durchzog.
Nach einer geballten Ladung Kaffee und 'Vollkornkeksen' - unter dieser Bezeichnung wurden sie uns zumindest angedreht - mussten wir uns schleunigst aufrappeln und weiterlaufen, bevor wir hier wegknacken würden. Doch mit jedem Schritt wurden wir träger. Vielleicht wollten die Hippies uns mit ihren Pseudo-Gesundheitskeksen in den Schlaf wiegen, um uns dazu zu bewegen heute bei ihnen zu nächtigen, wer weiß...
Ein Glück, dass wir Bom Fuck, oder wie auch immer er nun heißen mochte, wiedertrafen und neuen Gesprächsstoff austauschen konnten. So schafften wir es zumindest ohne größere Anstrengungen bis nach Sarria, wo wir im ersten Hostel der Stadt einen kalten Drink einnahmen und direkt auch Franzi in die Arme liefen, die gerade schon eingecheckt hatte. Doch wir wollten nicht bleiben, sondern weiter in die Innenstadt und dort einen Unterschlupf finden. Strengstens motiviert maschierten wir aus der Tür, tatsächlich aber schafften wir es gerade mal 20 Meter weiter auf die andere Straßenseite und fielen hier in die Überherberge ein, der wir nicht widerstehen konnten. Die "Oase", wie sie hieß, machte ihrem Namen alle Ehre. Im Prinzip war es ein top modernes Einfamilienhaus auf zwei Etagen mit Garten, welches sich 10, vielleicht 12 Leute teilten. Doch heute war gerade einmal die Hälfte der Plätze belegt. Der Laden wurde von einer jungen, äußerst fröhlichen Spanierin geschmissen, die den ganzen Tag durchs Haus tanzte, sang und gute Laune verbreitete. Vielleicht hatte sie ja auch von den Hippiekeksen genascht und eine bessere Sorte erwischt?
In der hauseigenen Küche dinierten wir königlich, entspannten unsere dick angeschwollenen Knöchel und verbrachten eine ruhige, erholsame Nacht.

Impressionen des Tages:

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