Stattdessen trafen wir eine neue Spezies Pilger, die Luxuspilger. Eine Reisegruppe aus gut 30 Mann aus Rheinland-Pfalz. Einer sogar aus meiner Lieblingsstadt Zweebrigge...
So leid es mir tut, aber die Leute sind so endnervig! Auf einer solch langen Strecke bleibt es ja nicht aus, dass die menschliche Blase mal entleert werden muss. So erging es auch mir. Üblicherweise hätte ich mich fix hinter einen Busch geworfen und mein Bedürfniss befriedigt. Nicht aber in dieser Horde aus Spaziergängern, die den ganzen Weg für sich eingenommen hatten. Es dauerte gut 2 Kilometer, bis ich einen halbwegs geschützen Platz fand, um mich zu erleichtern. Doch ich war noch nicht halbfertig, da stampfte eine der Kaffeetanten hinter meinen Busch und kam mir zum Kuscheln nahe, grinste und zog blank, um press neben mir einen Amazonas zu pinkeln. Fragend schaute ich sie an, gab es denn hier sonst keinen Platz?! Schnaubend zog ich von dannen und rette mich zurück auf den sicheren Weg, bevor die schlagenden Wellen ihres reißenden Flusses mich erfassen konnten und wünschte mir insgeheim, dass ihr einer der aus dem Boden ragenden Strohhalme in den Allerwertesten picksen würde.
Als wir dann auch noch entdeckten, dass die 3 Grazien vom Vortagsfrühstück unter den Herdentieren waren, platzte uns ja gar die Hutschnurr.
Wer natürlich jede Nacht im 5 Sterne Hotel schläft, jeden Abend ein dreigängiges Spitzendinner und eine Regendusche im eigenen Zweibrttzimmer genießen darf und nur die Hälfte der Strecke läuft, währenddessen das Gepäck sich nicht auf dem Rücken, sondern im klimatisierten Bus befindet, welcher nebendran herfährt, und alle 4 bis 5 km zur Kaffeepause einlädt, der hat ein einfaches Leben. Aber, er soll doch bitte nicht auf die Idee kommen, sich als Pilger zu bezeichnen. Ein Pilger geht auch mal durch die Hölle, läuft mit fetten, blutigen Blasen an den Füßen, bis die Gelenke aus der Haut springen, bei Wind und Wetter, tropischer Hitze und Platzregen, mit Hunger und Durst, bis ihm die Lust vergeht. Aber auch nur dieser Pilger hat am Ende die Auszeichnung verdient. Die Zeit, die wir in der Farmacia verbringen, verbringen diese Luxuspilger im nächstgelegenen Nagelstudio, wollen sich aber dann mit uns vergleichen und sind auch noch stolz darauf, wenn sie am Abend 2 Stunden früher am Endpunkt ankommen, weil der Bus sie über die unschönen Strecken hinwegfährt, an denen wir uns die Zähne ausbeißen. Wer zwischendurch keinen Bock mehr hat, springt einfach auf den Bus auf und planzt den dicken Po in ein bequemes Polster.
Natürlich sind wir genauso Touristen wie sie, aber wir ziehen das Ding durch.
Schmerzen, Schweiß und Schweinehund, das gehört verdammt nochmal dazu!
Ganz klar gilt das nicht für alte oder kranke Menschen, die den Weg ganz ohne Hilfe einfach nicht mehr schaffen, aber daneben gibt es keine Ausnahmen.
Genau das sagte auch eine Dame der Reisegruppe, die wir rein interessehalber mal ansprachen, um einige Fakten zu der organisierten Kaffeefahrt zu erfahren. Sie habe sich das auch etwas anders vorgestellt.
Wir zündeten die Raketentriebwerke und überholten alle Buspilger, um unsere Ruhe wieder zu finden.
Stunden später kehrten wir ganz alleine in Ledigos ein, 3 Kilometer vor Schluss. Dort entdeckten wir ein schniekes Restaurant, wollten uns nur kurz mit ein paar kalten Getränken erfrischen und plötzlich hatten wir eingecheckt. Es war so schön hier, dass wir die letzten Meter auf den kommenden Morgen vertagten. Ein Garten, ein riesiger Schlafraum, den wir uns lediglich mit einem Ami und einem Asiaten teilten, einer Küche und einem Wohnzimmer, alles für uns.
Den ganzen Mittag lümmelten wir im Garten herum und entspannten. Dann wurden wir auf ein dauerhaftes Fiepsen aufmerksam und suchten die Quelle dieser Geräusche. Sie führten uns in einen dunklen Schuppen, das Tor war geöffnet, aber mit einem Brett am Boden verriegelt. Dann sahen wir zwei winzige Schnautzen aus dem Dunkeln schnuffeln - Puppies! Och Gott waren die süß! Und hinter den Zweien folgte noch ein ganzes Rudel. Die armen wurden von ihrer Mama getrennt, weil diese ihr Babies totbeißen wollte. :(
Na, so ging der Tag schnell rum und wir hatten eine nette Beschäftigung.
Dann wurde noch gekocht, rucki zucki war der Tag rum und wieder wartete eine unruhige und merkwürdige Nacht auf uns...
Impressionen des Tages:









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