Wir hatten den Flughafen kaum hinter uns gelassen, da kamen uns zwei Pilger entgegen. Ein recht seltenes Bild, aber man trifft immer mal wieder solche Verrückten, die den Weg eben noch mal komplett zurück laufen. So auch diese beiden Deutschen. Bei der Gelegenheit fragten wir sie ein wenig über das so sehr ersehnte Ziel aus. Sie berichteten, dass die Stadt, wer hätte es geahnt, sehr touristisch sei. "Rein kommen ist gar kein Problem, doch heraus kommst du nicht", belehrte uns der eine, der andere nickte nur zustimmend. Damit war gemeint, dass man zu Fuß schnell und einfach in die Stadt hineinkommt, doch die Ausreise bringt so manchen Pilger zur Verzweiflung. Oft sitzen die Leute mehrere Tage lang fest, müssen auf einen freien Sitzplatz in Bus, Bahn oder Flieger warten. Na, das waren ja hervorragende Neuigkeiten. Im Schnitt kommen ca. 700 Pilger am Tag in Santiago an. Das erklärt natürlich einiges.
In Lavacolla wollten wir noch einmal die Chance nutzen etwas Ruhe und Frieden zu finden, bevor wir morgen dem Wahnsinn ins Auge blicken würden. Darum leisteten wir uns ein letztes Mal ein Doppelzimmer mit eigener Nasszelle und Umkleidekammer. Draußen, im offenen Wohnzimmer, in das man von jeder der drei Etagen über eine Veranda hineinblicken konnte, stand ein Kamin, umzingelt von Lümmelsofas, die nur so zum rumfläzen einluden. Wie nobel, nicht wahr? Aber anstatt die Situation zu genießen, hatten wir nun ganz andere Sorgen. Wie kommen wir zurück nach Frankreich? Mehrere Tage in Santiago festzusitzen, das war keine Option.
Ganze 4 Stunden eierten wir durchs Internet, versuchten irgendeine Lösung zu finden, um den Aufenthalt in Santiago möglichst kurz zu halten.
Bus, Bahn, Flugzeug, Mitfahrgelegenheiten, wir versuchten alles. Schließlich blieben wir bei der Fernbus Organisation ALSA hängen. Eine Reservierung zweier Plätze zu tätigten, erwies sich als undenkbar kompliziert, die Seite war hoffnungslos überlastet. Beim 7. Versuch schaffte ich es dennoch bis zur Zahlungsmaske vorzudringen, doch bevor mein Kauf bestätigt wurde, brach das System erneut zusammen. So auch unsere Nerven. Also weg mit den Handys, abschalten und bis morgen abwarten, vielleicht lässt sich vor Ort noch eine Alternative finden, eventuell hatte meine Reservierung ja auch doch geklappt.
Das einzige Foto, das heute entstanden ist: Manche nennen es Kunst, andere nennen es Müll

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