Freitag, 21. August 2015

Hossegor macht dich arm

Besonders weit kamen wir nicht. Genau genommen nur 5,2 km. Nach Hossegor. Beim Durchfahren dieses Städtchens fielen uns beinahe die Augen aus dem Kopf! Ein Surf Shop neben dem anderen, paradisisch für die Augen, Balsam für die Seele, das Game Over für den Geldbeutel. Leider oder zum Glück war es schon so spät, sodass die meisten Geschäfte bereits geschlossen hatten. So zogen wir weiter und suchten uns einen Platz für die Nacht. Den fanden wir in einer Seitengasse direkt am Meer. Mit dem Luxus waren wir nicht alleine und so fanden wir uns eingereiht zwischen Wohnmobilen und Campern wieder, packten unseren Gaskocher aus und brutzelten uns ein Abendessen aus jeder Menge Gemüse und hartem Baguette.
Nach und nach kamen die Besitzer der Wohnmobile vom Strand zurück und fuhren davon, einer nach dem anderen. Das kam uns schon komisch vor, aber wir köchelten weiter. Blöderweise pfiff der kleine blaue Ceranfeld-Ersatz schon aus dem letzten Loch, das Gemüse wollte einfach nicht gar werden. Als dann auch noch die Polizei auftauchte und uns klar machte, dass weder Kochen, noch Essen oder gar Übernachten erlaubt sei, packten wir, vom Auge des Gesetzes scharf beobachtet, zusammen und aßen im Auto, denn das hatten sie uns ja schließlich nicht verboten. Danach mussten wir uns erneut auf die Suche machen, jetzt hatte sich bereits der schwarze Schleier der Nacht über die Stadt gelegt und wir irrten immer noch ziellos umher. Überall hingen Schilder, die uns unmissverständlich zu verstehen gaben, dass man hier nicht über Nacht stehen oder schlafen durfte. Doch dann fiel uns ein deutscher Campervan ins Visier, der in einer Seitenstraße parkte. Die könnten wir doch mal fragen! "Ihr müsst ins Wohnviertel fahren. Das machen wir auch schon seit 2 Wochen und wurden bisher nicht erwischt. Aber hier direkt am Meer habt ihr keine Chance. Hier fahren sie regelmäßig Patroullie!" Okay, verstanden. Im Wohnviertel bot sich eine recht witzige Szenerie. Sobald die Nacht über den Tag siegte, tuckerten hier Bullys herum. Ganz langsam. Hielten an jeder Ecke an. Es war deutlich erkennbar, dass die Leute etwas suchten. Einen Schlafplatz. Also waren wir hier nicht alleine und trafen an jeder zweiten Ecke Gleichgesinnte, die Ausschau nach einem schattigen Plätzchen im Schutze der Dunkelheit hielten. Am besten nicht direkt an einem Hauseingang und ganz wichtig - ebenerdig. Ein paar Mal durchquerten wir die Straßen, die von wuchtigen und monströsen Anwesen mit kilometerweiten Gärten, Pools und eigenem Tennisfeld umbaut waren, bis wir einen Spot gefunden hatten, der uns günstig erschien. Mucksmäuschenstill packten wir die Granny um und zogen die Türen hinter uns zu. Knöpfchen runter. Geschafft. Keiner bemerkte unsere Anwesenheit. Und so konnten wir eine zwar sehr warme und stickige, aber ruhige Nacht verbringen.
Am Morgen darauf versuchten wir genauso unscheinbar wie in der Nacht zuvor die Prozedur rückwärts abzuspielen, packten das Auto um und machten uns umgehend aus dem Staub, bevor wir doch noch von einem der Anwohner angemeckert würden. Wir fuhren zurück in die Stadt, die uns gestern so gut gefallen hatte. Bloß ein wenig Bummeln, nur so zum Spaß, danach wollten wir auch direkt weiterfahren. Doch daraus wurde nichts. Denn heute fand in Hossegor ein mordsmäßiger Ausverkauf statt und mordsmäßig trifft es hier wirklich sehr genau.
Die Stadt war so voll mit Menschen, dass man keinen Fuß vor den anderen setzen konnte, Parkplätze waren Mangelware, Autos kämpften sich im Schneckentempo durch die Menschenmassen, Schlangen bildeten sich vor den von Securities bewachten Eingängen, Eltern hafteten für ihre Kinder. Ein Glück hatten wir die letzten Tage so viel Energie gesammelt, dass wir uns heute ins Getümmel stürzten konnten. Doch es war schon unmenschlich, wie es hier zu ging. Unsere Ausbeute war trotzdem beachtlich. Neben ein paar schicken Shirts zum halben Preis, einem kompletten Skateboard und satten 2 Paar neuen Schuhen für Danilo trugen wir ein fettes Grinsen auf den Lippen und dampften ab, bevor wir uns komplett verschulden konnten. Diesen Ausverkauf gibt es wohl auch noch einmal um Ostern herum, „Braderie de Pâques" nennt man dann das Ganze. Aber nun mussten wir unseren Adrenalinpegel mal wieder herunterschrauben; wir suchten uns einen simplen Campingplatz ohne viel Schnick Schnack und erholten uns von der aggressiven Reizüberflutung diesen Tages.
 Danilo räumt auf...
 Das einzig nervige in der Nähe war ein deutscher Reisebus. Zwar gehörte dazu keine ganze Reisegruppe, dafür aber 2 Familien mit Kindern, die den ganzen Platz unfreiwillig unterhielten. Die Kinder nörgelten, die Mutties schimpften, die Vatties ignorierten und unterdessen brummte der Busmotor vor sich hin, um den Innenraum zu kühlen. Herrlich. Wenigstens unsere französischen und italienischen Direktnachbarn waren sehr nett und angenehm. Aber morgen sollte es dann wirklich weitergehen. Angepeiltes Ziel: Biscarrosse Plage.


Impressionen des Tages:
 das erste Maul Pedale treten seit knapp 2 Monaten...läuft doch!

 
„Braderie de Pâques“

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