Samstag, 8. August 2015

Tag 21 - Nichts wie raus aus der Stadt

Als heute Morgen der Wecker klingelte und uns aus unserem erstaunlich guten Schlaf riss, waren wir dennoch kaum böse darum, im Gegenteil. Wir waren froh aus der Herberge und auch aus der Stadt rauszukommen. Es dauerte zwar eine ganze Weile, bis wir den Smog und die Reizüberflutung hinter uns gelassen hatten. Aber was wäre ein Pilgertag ohne ein ordentliches Frühstück? Wie gut, dass wir zufällig an einem kleinen Café vorbeikamen, in dem wir ein belegtes Croissant, Kaffee, Kuchen und heiße Schoki für nen poppeligen 5er bekamen! Ich glaube, die nette Frau hinter der Theke hatte Mitleid mit uns und unseren zunehmend wachsenden Backpacks. Scheinbar vermittelten wir einen armseeligen Eindruck.
Auf der Straße waren heute auffällig wenige Pilgerkollegen unterwegs. Wahrscheinlich blieben die meisten einen Tag zur Regenerierung in León. Umso besser für uns, wir hatten freie Bahn. Allerdings war die Strecke heute auch wirklich doof und hässlich. Ewigkeiten liefen wir an der "Autobahn" entlang, teilweise verlief der Weg sogar auf dem Seitenstreifen. Safety first und so... Also waren wir sehr froh, als wir am frühen Abend in San Martin ankamen.
Direkt am Ortseingang erblickten wir eine Herberge, die von außen zwar unscheinbar wirkte, es aber volle lotte in sich hatte! Wir machten uns sofort ein 4er Zimmer klar, in das auch kein weiterer Gast mehr einzog. Draußen wartete ein Pool auf uns und die 3 Señoritas, die den Laden hier schmissen, waren herzallerliebst und bemüht jeden Gast zufrieden zu stellen. Im Eingang der Herberge standen Körbe mit undefinierbaren aber sehr leckeren Früchten aus eigenem Anbau. Der Blick in die offene Küche verriet uns, dass hier noch selbst Hand angelegt wurde. Und wie! Da ließen wir es uns nicht nehmen eine Portion Chicken und Salat zum Abendessen zu bestellen. Eine goldrichtige Entscheidung, ebenso golden wie die 3 fetten Hähnchenkeulen, die da so fröhlich tümpelnd neben Rosmarinzweigen und Lorbeerblättern im Sud vor sich hinschmorrten. Mir bricht jetzt noch eine Fontaine in der Futterlucke aus, wenn ich nur daran denke! Es würde mich auch nicht wundern, wenn die soeben verspeisten Federtiere auch aus eigener Züchtung gestammt hätten. Das war dann wohl eine gelungene Entschädigung für den Scheißtag in León! :)

Was uns heute wieder aufgefallen ist: Die Spanier haben einfach keinen Sinn für metrische Angaben! Himmelhoch jauchzent feierten wir das Schild, das wir am Wegesrand fanden, auf dem "Faltan 298k hasta Santiago de Compostela" stand. Als wir dann in San Martin, was ja schon gute 25km weiter auf der Zielgeraden liegt, ankamen, lasen wir plötzlich etwas von 325km. Wollen die uns eigentlich verkackeiern? Würfeln die irgendwelche Zahlen und malen sie auf Schilder, um uns in die Irre zu führen? Diese Spanier... :D 

Impressionen des Tages:
Auf dem Weg raus aus León fanden wir doch noch etwas hübsches
                       kein Bock
                    Hobbiton 2.0

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