Sonntag, 23. August 2015

zwei Tagesetappen bis Biscarrosse

Zuerst machten wir einen kleinen Stopp in Moliets-et-Maa. Vor ziemlich genau 9 Jahren war ich hier schon einmal mit meinen Eltern und einer Freundin gewesen. Wirklich viel verändert hatte sich hier nichts, so konnten meine Erinnerungen ungehindert aufleben. Auch hier präsentierten sich die üblichen Suferlädchen, die uns mit unsichtbaren Händen anzogen. Am liebsten wären wir geblieben, hätten uns ein Board ausgeliehen und uns in die Wellen gestürzt, doch das Wetter verschlechterte sich von Minute zu Minute. Außerdem war es nicht schlecht noch ein paar Kilometer zu machen. Gut eine Stunde und einen Regenschauer später strandeten wir in Mimizan Plage. Zunächst wollten wir hier gar nicht bleiben, doch ein recht günstiges Angebot des Camping de la Plage stimmte uns um. Grund dafür war der langsam beißende Geruch der Stinkwolke unserer sich sammelnden Wäsche, die sich allmählich im Innenraum der Granny ausbreitete, wir brauchten unbedingt eine Waschmaschine, um den Wäscheberg zu beseitigen. Eine richtige Dusche mit warmem Wasser wäre auch nicht zu verdenken und auch für etwas Strom wären wir sehr dankbar. Kurzerhand checkten wir ein und suchten unseren Stellplatz 639, der sogar von ein paar Bäumen umzingelt war, an denen wir unsere Wäscheleine spannen konnten.
Während die Waschmaschine die letzten Schweißtropfen aus den Textilporen unserer hauptsächlich Pilgerklamotten herausprügelte und mit wohlriechendem Formil Reisewaschmittel versiegelte, genossen wir eine heiße Dusche und speisten mein französisches Leibgericht. Nicht weil es sehr französisch ist, sondern weil ich es immer esse, wenn ich hier bin. Ob das vielleicht am Geldmangel liegt? Baguette mit Gouda, Salatgurke und, ganz wichtig, scharfem Senf. Schon ist die Welt gerettet. Ist das nicht einfach?
Als die Wäsche hing, verdrückten wir uns auf einen Bummelzug durch die Stadt. Die frühen Abendstunden läuteten so langsam das Ende des Tages ein. Erst jetzt öffneten nach und nach auch die letzten Shops der Stadt ihre Pforten, das Nachtshopping war eröffnet. Auch das scheint hier ganz normal zu sein. Morgens schläft alles bis in die Puppen und abends klingeln die Kassen. Im Gegensatz zu Hossegor gab es hier nicht bloß Surf- und Skateware, sondern auch jede Menge Accessoireplunder. Dazwischen prahlten bunte Süßwarenläden mit Softeis, heißen Waffeln mit Schokosoße, Sahnehaube und fruchtiger Dekoration, Crêpes aller Art, und - eine Erfindung für die ich mich gar nicht begeistern kann - Churros, sowie Steakhäuser und natürlich Fischrestaurants mit Allerlei aus den Weiten des Meeres hervor. Besonders dieses Allerlei aus dem Meer zog mitleidige Blicke auf sich, als es uns traurig durch die Glaswand seines übergroßen Aquariums anschaute und dabei die Stunden, vielleicht auch nur Minuten oder Sekunden zählte, bis es ebenso leblos wie seine Kumpels auf der Arbeitsplatte des ruppigen, dickbäuchigen Chefkochs landen und zu einem köstlichen, überteuerten Festmahl zubereitet werden würde.

Gerade, als wir die letzte Straße abgelaufen hatten, rumpelte und pumpelte es in der Ferne. Regen lag in der Luft und reinigte sie von den vielen winzigen Meeressalzmolekülen. Wir sollten uns beeilen, die Wäsche hing schließlich noch draußen! Doch als wir den Campingplatz noch rechtzeitig erreicht hatten, stellte sich die nächste Frage: Wohin mit der noch sehr klammen Wäsche? Ins Auto wäre irgendwie ungünstig mit der ganzen ausdünsteten Feuchtigkeit. Aber was würde uns übrig bleiben? Nichts. Eben. Deswegen belagerten wir die vorderen Sitze mit der frisch duftenden Wäsche. Hatte ja schließlich auch was für sich. Danach verzogen wir uns auch nach drinnen und versuchten mit dem aufs Autodach brasselnden Regen im Ohr einzuschlafen. Der Regen hielt sich wacker und dauerte die ganze Nacht an. Um 5 Uhr morgens wurde ich aus irgendeinem Grund wach und stellte fest, dass der Schauer weitergezogen war. Und weil man um diese Uhrzeit ja auch nichts besseres zu tun hat, fing ich an die noch sehr nasse Wäsche erneut aufzuhängen. Als Danilo davon geweckt wurde, half er mir. Danach kuschelten wir uns zufrieden zurück in unsere Schlafsäcke und schlummerten wieder ein. Jedoch nicht für lange. Nur 30 Minuten später donnerte es vom Autodach. Tock...Stille...Tock...Stille...Tocktock...Tocktocktocktocktock! Och nein...Da war er wieder, der Regen. Leck mir doch die Füße! Wer will uns hier eigentlich auf den Arm nehmen? Wie von der Tarantel gestochen sprangen wir abermals auf und holten die Wäsche zurück ins Auto. Dann versuchten wir es noch einmal mit dem Einschlafen.
Es klappte und so wachten wir erst gegen halb 9 wieder auf. Ein drittes und letztes Mal versuchten wir unsere Wäsche zu trocknen, doch die Zeit reichte nicht aus, da wir um 11 Uhr den Platz räumen mussten. Sei es drum, wieder packten wir den Krempel ein und fuhren weiter. Heute sollte es dann wirklich nach Biscarrosse gehen. Allerdings erst nachdem wir den Markt im 176 km entfernten Montalivet besucht hatten. Auch den Markt kannte ich noch von früher, allerdings hat sich das Angebot ziemlich verändert. Früher wurden hier handbemalte Strandtücher und Hippieklamotten, Musikinstrumente aus aller Welt, Schmuck, Delikatessen und natürlich auch eine Portion Kitsch verkauft. Heute findet man noch immer dasselbe, allerdings in auffällig verminderter Ausprägung. Dafür kann man jetzt Selfie Sticks und iPhone Speaker aus Holz kaufen. Aber zumindest das Essensangebot überzeugte, daran hatte sich in den vergangenen Jahren glücklicherweise nicht viel verändert. Wir probierten uns durch, jeder Standbetreiber bestand darauf uns eine Leckerei in die Hand zu drücken. Manchmal lohnte es sich, ein kostenfreier Gaumenschmaus, einige Male hatten wir aber auch viel Mühe damit uns den Ekel nicht anerkennen zu lassen. :D Geschmäcker sind eben verschieden.
Er hier passte ganz genau auf wer da an seine Melonen ging

Das Wetter wollte sich einfach nicht entscheiden, es wurde wiederholt dunkel am Horizont und wir beeilten uns noch trocken ans Auto zu kommen. Nun aber Marsch, auf nach Biscarrosse. Hinter einem Campingplatz fanden wir eine Parkzone, wo man auch über Nacht stehen durfte, sich aber die Mietkosten sparte. Wo da der Sinn lag, wussten wir nicht, nahmen das Angebot aber natürlich gerne an. Endlich schafften wir es unsere Wäsche rauszuhängen und endlich trocken zu bekommen. Das wurde aber auch Zeit. Gegen Nachmittag lies sich eine seltene Freundin blicken. Durch die Regentropfen, die zwischen den riesigen, nadeligen Äste der Pinienbäume hingen, brachen die warmen Sonnenstrahlen und dränierte den aufgeweichten Boden und das nasse Gehölz. Wir nutzten die Gelegenheit um den Strand zu erkunden, jedoch war es für mich kaum warm genug, um hier zu beachen. Danilo hingegen wagte sich mit Bodyboard ins Meer.

Abends schauten wir uns noch die Stadt an, hier war der Teufel los. Alle Geschäfte luden zum Flanieren ein, Restaurants lockten mit himmlisch riechenden Speisen, Künstler gaben ihre Spray-Kunst zum Besten und der Geruch von Zuckerwatte lag in der Luft. So schlossen wir den Tag rummelmäßig und zuckerhaltig ab.

Impressionen des Tages:
 ein nettes Plätzchen für umme
na, wo geht's morgen hin? Routenplanung und Dokumentation
 irgendwo auf dem Weg fanden wir einen Skatepark und einer freute sich wie ein Schnitzel! :)

 Auch ich lies mich nicht lumpen und versuchte mal mein Glück...
aller Anfang ist schwer :-P

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