"Sie wissen schon, dass im Auto Übernachten hier verboten ist, ja?", frotzelte der gerüstete Gendarme, der sich breitbeinig und bestimmend vor der Granny aufgebaut hatte und einen kleinen Block aus seiner Tasche zog. "Guten Morgen Officer! Schön, dass Sie uns wecken, wir wollten ohnehin gerade aufstehen!". Mit eingezogenem Schwanz packten wir zusammen und zischten ab, bevor wir einen Strafzettel kassieren konnten.
Bloß hatten wir kein Ziel, darum brummten wir auf gut Glück mal los die Küste hinauf. Auf dem Weg klapperten wir einige Campingplätze ab, denn wir brauchten dringend eine Toilette, eine Dusche wäre auch nicht verkehrt gewesen und Strom. In der Saison war es hier aber überall so unglaublich teuer und überfüllt, dass wir die Suche bald einstellten. Wir brauchten schließlich nicht unbedingt ein Spieleparadies, fünf Pools, einen Streichelzoo und non-stop Animatiom. Wobei...Spieleparadies? Das wäre ja fast eine Überlegung...nein, nix da! Wir hielten lediglich Ausschau nach einem Plätzchen, an dem wir mit der Granny in Ruhe und legal hausen dürften. Per Zufall fanden wir genau den in Capbreton, direkt am Meer, mit selbstreinigendem "Stehklo in der Box" und einer Entsorgungsstation mit Wasserhahn, an dem die meisten Leute aber auch ihr Geschirr und ihre Wäsche wuschen. Zunächst belegten wir einen Plätzchen auf dem Stellplatz für Wohnmobile, Wohnanhänger, Campervans und Co. Die Nacht kostete 12,50 Euro, die bei der Kassiererin am Abend bezahlt werden müssten. Bis diese aufkreuzen würde, würden wir warten müssen. Denn uns beschäftigte brennend eine knifflige Frage: Sind wir ein Campervan? Im Prinzip sind wir genau so ausgerüstet, wie jeder simple Van. Ebenso wenig wie diese waren wir self-contained, sprich wir haben kein eigenes Töpfchen und keine Dusche on board. Solange wir aber nicht wussten, was wir waren, blockierten wir frech einen Stellplatz und warteten ab.
Derweilen vergnügten wir uns am Strand, stürzten uns in die kalten, wuchtigen Wellen, schauten den Surfern neidisch beim Plantschen zu, wuschen uns an der Entsorgungsstation den Kopf, besichtigten gegen Abend das Städtchen, dümpelten von einem Laden in den nächsten und hamsterten uns mit Lebensmitteln ein. Auf dem Rückweg erblickten wir schon von weitem ein auffälliges Auto mit Aufschrift Gendarmerie am Eingang des Stellplatzes. Die waren gerade hier zur Ticketkontrolle. Wir kamen keine Sekunde zu früh! Kurz bevor sie unsere Granny erreichten, holten wir sie ein und erklärten unsere Lage. "Hier könnt ihr nicht stehen bleiben.", damit war unsere Frage unzufriedenstellend beantwortet; wir sind kein Camping Car. Doch die netten Uniformmodels hatten auch eine gute Nachricht: Der PKW-Parkplatz genau nebenan war kostenfrei und durfte auch nachts genutzt werden. Alles was wir machen mussten ist die Granny in eine andere Parklücke schieben und so würden wir uns sogar die Parkgebühren sparen. Jawoll! :)
Abends stellten wir fest, dass mehr als die Hälfte der hier parkenden Autos und Kleinbusse Camper wie wir waren. Die Atmosphäre war herrlich! In den Abendstunden öffneten sich alle Kofferräume, Gaskocher, Klapptische und Campingstühle wurden aufgebaut, Abendbrot! Einige tischten hier richtig auf, dass man nur neidisch rüberblinzeln konnte und versuchte den leckeren Duft nicht einzuatmen.
Nach dem Abwasch pilgerten die meisten Leute zum Strand, um den ruhebringenden Sonnenuntergang zu bewundern, danach war Schlafenszeit. Gemeinschaftliches Zähneputzen hinter den Autos und ab in die Kojen. Einige wenige Erwachsene setzten sich noch gemütlich bei flackerndem Kerzenschein und einem Gläschen Wein zusammen, andere kuschelten sich derweilen schon in die manchmal sehr abenteuerlich zusammengeschreinerte mobile Knutschkugel und schlummerten im Mondlicht und dem sanften Rauschen der Wellen ein. So verbrachten wir drei sonnige und total entspannte Tage, vergaßen all den Kuddelmuddel der vergangenen Wochen.
ein Bierchen zum Sonnenuntergang
leider etwas unscharf...
Danilo macht den Abwasch, so gehört sich das! :)
Ein ungewollt nächtlicher Ausflug
Eines Abends kamen wir auf die glorreiche Idee, den Strand bis zur Stadt entlang zu laufen. Auf dem Weg kamen wir an alten Kriegsbunkern vorbei, die aus dem nassen, überfluteten und doch durch die Abendsonne warm leuchteten Sand ragten.
Riesige verdrahtete Betonbauten, in denen einst kriegerische Soldaten hinter den dicken Mauern warteten, bis ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Einige Eingänge in die heute bunt angesprühten Kriegsruinen waren teilweise noch so erhalten, dass man sich in ihnen umschauen konnte, sofern sich nicht gerade die Flut in den luftdichten Kammern ausbreitete. Je länger wir uns diese Steinklötze anschauten, desto mulmiger wurde uns zumute. Die Franzosen dagegen scheinen sich überhaupt nicht mehr um diese geschichtsträchtigen Überbleibsel einer grausamen vergangenen Zeit un scherren. Für sie stehen die Dinger halt da. Heute schmücken Angelschnüre und rauchende Jugendliche, die sich in den Ruinen vor Mama und Papa verstecken, das Bild. Und weil wir uns so lange hier aufhielten und auch in der Stadt herumtrödelten, war es schon bald stockfinster. Das Problem an der Sache war nur, dass wir ja noch am Strand zurücklaufen mussten, hatten aber kein Licht, keine Taschenlampe. Der Himmel war lückenlos bedeckt mit fetten Wolken, so konnte nicht einmal der Mond uns Licht spenden und den Weg weisen. Man konnte die Hand vor Augen nicht sehen, als wir die Füße zurück in den Sand setzten. Wie zwei orientierungslose Maulwürfe tasteten wir uns blind am Ufer entlang. Hier und dort hörte man Stimmen aus der Dunkelheit. Kleine Menschengrüppchen, die hier in die Nacht schwärmten. Sehen konnte man sie allerdings nicht. Es kam uns vor wie eine Ewigkeit, wir hatten keinen blassen Schimmer, wo wir waren und wie wir den sandigen Aufstieg zu der Düne finden sollten, hinter der unsere Granny stand und wartete. Doch dann trafen wir auf eine Gruppe Jugendlicher, die hier am Strand feierten und ein wenig Licht bei sich hatten, sodass wir erkennen konnten wo wir waren und einbiegen mussten. Endlich zurück kuschelten wir uns in die warme Granny, die noch schön von der Tageshitze aufgeheizt war.
Eine neue Liebe
Am vierten Tag hatte vor allem Danilo Hummeln im Arsch. Um etwas dagegen zu tun, besuchten wir einen Surfkurs, in dem uns ein in die Jahre gekommener Surferboy mit standardmäßigen blondgefärbten Locken und unstandardmäßigem Bierbauch in gebrochenem Englisch versuchte den Umgang mit einem Surfbrett näher zu bringen. 1,5 Stunden auf, neben und unter dem Board powerten uns gut aus, doch es machte unglaublich viel Spaß! Und zack wir waren infiziert!
Ich erinnere mich gerne an meinen Surfkurs in Sydney, der auch schon knapp 2 Jahre zurückliegt, und mir fällt sofort wieder ein wie geil Surfen ist! Einmal im richtigen Moment aufgesprungen schwebt man über das Wasser, mehr oder weniger kontrolliert, ein wahnsinniges Gefühl! Nach dem Kurs einigten wir uns darauf an jeder Ecke, ja sogar am Essen zu sparen, um möglichst oft Surfen gehen zu können. Am liebsten jeden Tag!
Unsere Gedanken kreisten nur noch ums Surfen. Beim Verlassen von Capbreton kamen wir an einem gigantischen Outlet vorbei. Gigantisch nicht nur der Größe wegen, sondern auch wegen der vielfältigen Ausstattung. Hier gab es neben den üblichen Surf- und Skateboard-Ausrüstung eben auch eine Bar mit eigener Zapfsäule, Kaffee und Kuchen, eine komplette Speisekarte, einen Lümmelplatz mit braunen Ledersofas, in die man sich reinsetzte und bis zum Hals darin verschwand, freien Internetzugang, eine Bühne mit darauf parat stehenden Musikinstrumenten, ja sogar einen eigenen Friseur. Komplett abgefahren! Beinahe kamen wir in die Versuchung eine große Menge Geld hier zu lassen, doch gottlob, unser Verstand meldete sich frühzeitig und zwang uns zu gehen. Gepusht und glücklich schwangen wir uns zurück in die Granny und fuhren ein Stück an der Küste entlang, um einen neuen Stellplatz zu finden.
Ich erinnere mich gerne an meinen Surfkurs in Sydney, der auch schon knapp 2 Jahre zurückliegt, und mir fällt sofort wieder ein wie geil Surfen ist! Einmal im richtigen Moment aufgesprungen schwebt man über das Wasser, mehr oder weniger kontrolliert, ein wahnsinniges Gefühl! Nach dem Kurs einigten wir uns darauf an jeder Ecke, ja sogar am Essen zu sparen, um möglichst oft Surfen gehen zu können. Am liebsten jeden Tag!
Unsere Gedanken kreisten nur noch ums Surfen. Beim Verlassen von Capbreton kamen wir an einem gigantischen Outlet vorbei. Gigantisch nicht nur der Größe wegen, sondern auch wegen der vielfältigen Ausstattung. Hier gab es neben den üblichen Surf- und Skateboard-Ausrüstung eben auch eine Bar mit eigener Zapfsäule, Kaffee und Kuchen, eine komplette Speisekarte, einen Lümmelplatz mit braunen Ledersofas, in die man sich reinsetzte und bis zum Hals darin verschwand, freien Internetzugang, eine Bühne mit darauf parat stehenden Musikinstrumenten, ja sogar einen eigenen Friseur. Komplett abgefahren! Beinahe kamen wir in die Versuchung eine große Menge Geld hier zu lassen, doch gottlob, unser Verstand meldete sich frühzeitig und zwang uns zu gehen. Gepusht und glücklich schwangen wir uns zurück in die Granny und fuhren ein Stück an der Küste entlang, um einen neuen Stellplatz zu finden.




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