Samstag, 1. August 2015

Tag 14 - Ein Ausflug ins 11. Jahrhundert

Einen Augenschlag dauerte es nur und schon graute der nächste Morgen. Ein fixes Frühstück, Schnürrsenkel festgezogen und Abmarsch. 8km lagen hinter uns, als wir Hornillios erreichten. Wir verzichteten darauf uns hier mit Proviant einzudecken, denn der nächste Ort, Sambol, sollte, laut unserem Superplan, ja nur ein paar wenige Meter weiter kommen. Pustekuchen! Dieser "Ort" bestand lediglich aus einem einzigen Gebäude, dass wir nicht einmal als Dorf identifizieren konnten und somit auch ohne jegliche Aufmerksamkeit zu verschwenden links liegen ließen. Für uns existierte Sambol also gar nicht, obwohl wir vergeblich nach dem geheimnisvollen Mythos suchten. Die weitere Strecke bis Hontanas zog sich 2,5 Stunden über ein Plateau. Ich wusste gar nicht, wie laut und konsequent so ein Margen knurren kann. Und wieder war kein Ende in Sicht. 
In den Spiegelungen auf der brennenden Straße in der weiten, schweifenden Ferne bildeten wir uns ständig ein die Dachspitzen eines Dorfes zu erkennen, jedoch spielte die Hitze uns diese Streiche, in Wirklichkeit versteckte sich dieses hinter einem Abhang. 
Ganz plötzlich machte die Straße einen Knick nach unten und auf einmal sahen wir eine real gewordene Fatamorgana. 
Hontanas in seiner vollen Pracht. Klein, steil, aber charakteristisch; das Warten hatte sich gelohnt. Nach und nach trudelten auch alle anderen ein, wir trafen uns auf der "Hauptstraße" in einem Restaurant und stärkten uns gemeinsam für den restlichen Weg.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Pilgern waren wir so schlau und starteten noch während der Mittagshitze durch die knallende Sonne bis nach San Antón, wo wir unseren Endpunkt gesetzt hatten. Die Eile war gegeben, weil die alte Ruine lediglich über 12 Schlafplätze verfügte. Danilo und ich waren fix unterwegs und kamen als Erste an. 
Empfangen wurden wir von Angi, die vor der Kirche stand und uns frische, geschälte Orangen anbot. Mit vollen Backen besichtigten wir das alte Gemäuer, in dem heute zahlreiche Tauben hocken, beobachten und gurren.





In einem wiederaufgebauten Teil der Ruine befand sich der Schlafraum und eine Küche, die durch eine mannhohe Mauer voneinander getrennt wurde. Oben drauf standen Kerzen, die in der Nacht Licht spenden sollten. Elektrizität gab es nicht, geschweige denn warmes Wasser. Jedes Mal, wenn einer von uns unter die Dusche sprang, ertönte ein lautes Gekreische; keiner von uns wusch sich länger als 2 Minuten.
Die Übernachtung und Verpflegung durch Oli, den Koch, der unendlich gerne und viel mit Knoblauch kocht, basierten auf Spendenbasis.
Hier ging es endlich wieder um das, wonach wir suchten: Eine tolle Location, minimalen Luxus und eine angenehme Gesellschaft. Auf diesen Weg spendet man auch gerne. Außerdem fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt, alles ist so einfach und unkompliziert gehalten.
Mit den anderen Gästen und den beiden Voluntären von San Antón waren wir 9 Personen, die gemeinsam den Abendtisch deckten, zusammen aßen, Wein tranken, den Abwasch erledigten und das einfache Miteinander genossen. 
Nach Anbruch der Dämmerung zündeten wir Kerzen an und spielten in deren orangefärbenden Lichtschein, der bis in die hölzernen Dachlatten strahlte, Poker bis spät in die Nacht. Die Erlöse, die dabei zu stande kamen, warfen wir in die rosa Spendenwutz. Kurz nachdem der neue Tag begonnen hatte, ließen wir uns in die weichen, hohen Matratzen fallen und schliefen im sanften Flackern einer letzten Kerze ein.

Impressionen des Tages:


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