Nachdem Phase 1 "die körperliche Schmerzphase" und Phase 2 "die seelische Schmerzphase" überstanden waren, folgte jetzt Phase 3 "die Denkphase". Erst taten die Füße, Knie und der Rücken weh, dann wurde das seelische Wohl vom Umfeld und der ausgetrockneten, öden Landschaft gequält aber jetzt, jetzt began endlich das, weswegen wir hier waren! Wir konnten in Gedanken versinken, denn es tat nichts mehr weh, der Weg wurde ab hier Meter um Meter und Schritt für Schritt schöner und grüner und sowie sich die Natur entfaltete, taten es unsere Hirnzellen ihr gleich. Endlich runterkommen, nachdenken und dabei die blauen Berge, die grünen Wiesen und die Ruhe genießen! Mit Ruhe meine ich nicht nur den Geräuchpegel, der hier oben sehr niedrig war. Nein, ich meine das Für-sich-Sein und alles im eigenen Tempo machen können. Gab es etwas zu sehen, blieb man einfach stehen, schloss auch mal die Augen, atmete die frische, manchmal sehr methanlastige Bergluft bis in die letzten Lungenbläschen ein und lies den Moment auf sich wirken, währenddessen überall glückliche, flauschige Schafe, Ziegen und Kühe genüsslich grasten, als könne ihnen keine Menschenseele etwas anhaben. Dazu gab die Sonne ihr bestes und um die eigene Nasenspitze herum säuselte ein lauer Wind. Das ist die Zeit, wenn man alte Kisten auspackt, die auf dem Dachboden unter der Hirndecke verborgen und eingestaubt liegen. Darin befinden sich die ganzen alten Stories, Erlebnisse, Erinnerungen, aber auch Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Im normalen Leben findet man kaum die Zeit in diese Kisten herumzuwühlen und vergisst sogar deren Existenz. Doch jetzt war reichlich von dem kostbaren Gut Zeit da, die man nun nutzen konnte.
Nach der vielen Grübelei fühlte ich mich tatsächlich total gut, als hätte ich wahrhaftig etwas längst Vergessenes oder Verdrängtes nach Jahren seiner Verborgenheit wiedergefunden. Ein altes Spielzeug, ein Kuscheltier oder ein gutes Buch, ein Erbstück, vielleicht auch ein altes Tagebuch mit Schriften aus Kindertagen. Und ich merkte, dass man manchmal nichts weiter brauchte, als die eigenen Füße und den Verstand, um vom Alltag loszukommen und in diese fantastische Welt einzutauchen.
Mensch, was ein genialer Tag! Aber er wurde sogar noch besser!
Ganz nach dem Motto "Nimm niemals das Erstbeste, was du findest", fanden wir heute die Herberge aller unerhörten Pilgerträume, die fetteste Nuss für ein armes Eichhörnchen, das Viagra für Hugh Hefner. So oft schon hatten wir es gut getroffen, doch das hier übertrumpfte alles! Ein 8er Zimmer für uns allein mit Veranda, einen riesigen Pool auf einem Plateau hoch auf dem Berg, von beiden Locations Bestblick auf den eingefärbten Horizont, der Millimeter für Millimeter das warme Sonnenlicht verschluckte, und kostenlose Kaubonbons am Empfang; ich werd bekloppt! In dicke Decken eingepackt saßen wir 2 Glücklichen draußen, schauten dem untergehenden Feuerball zu, wie er hinter den meilenweit entfernten Bergspitzen verschwand, um irgendwo anders auf der Welt den Tag neu zu beginnen, und schlürften derweilen einen heißen Kakao mit beiliegendem Schokoküchlein zum Eintunken. Wenn es einen Himmel gibt, so musste er sich genau hier befinden.
Impressionen des Tages:
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