Freitag, 7. August 2015

Tag 20 - León

Um ca 04:30 Uhr in der Früh wachten wir beide auf, weil die Temperatur schlagartig gesunken war. Zum Loslaufen war es bei weitem noch zu zeitig, also kuschelten wir uns schnell noch einmal ins Bett, während die anderen Pilger schon fast in Aufbruchstimmung waren. 
Nach einem sehr familiären Frühstück verabschiedeten wir uns mit Umarmung und Küsschen von unseren Herbergseltern und stiefelten zufrieden davon. Keine 2 Minuten waren wir unterwegs, da trafen wir schon wieder bekannte Gesichter. So läuft man immer mal ein Stückchen mit dem einen und ein Stückchen mit dem anderen, bis man diese verflixten 18km bis nach León überstanden hat. Aber wie schon einmal gesagt, in Gesellschaft läuft es sich meist schneller und auch angenehmer.
Im Vorhinein hatten wir uns wie Bolle auf die Großstadt gefreut. Viele Geschäfte, die riesige Cathedrale, einladende Bars und Cafés, ein bisschen Halligalli. Zudem hatten wir uns vorgenommen uns etwas zu gönnen, dafür dass wir unsere Körper jeden Tag so gequält hatten; wir wollten ins Hotel. Wie bestellt liefen wir am Stadteingang diesen 3 Herrschaften in die Arme, die hier den ganzen Tag herumsaßen, um planlosen Orientierungslegasthenikern die Welt, beziehungsweise León zu erklären. Lieb, nicht wahr?
Zügig steuerten wir das auserkorene Hotel Paris an, das uns mit Spa und allem Schnickschnack empfohlen wurde. Beinahe wäre es uns peinlich gewesen in unseren stinkigen, vor Dreck stehenden Klamotten über die Schwelle des Hoteleinganges zu treten. Aber ohnehin hatten wir uns zu früh gefreut! Das Hotel war bereits jetzt schon ausgebucht, dabei war es gerade mal 13:00 Uhr. Oder man wollte uns hier nicht haben. So oder so mussten wir kehrt machen und uns schnellstens etwas anderes suchen.
Da die Spanier nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie sich mit den metrischen System gut auskennen, geschweige denn Karten in geografischer Richtigkeit aufmalen können, irrten wir von einer Seitenstraße in die nächste, um endlich diese eine große Herberge zu finden. Eigentlich hofften wir auf die Hilfe einer verträumten Nonne, die wir in einer der Straßen antrafen und nach dem Weg fragten. Doch anstatt eine hilfreiche Antwort zu erhalten, wurden wir nach unserer Herkunft gelöchert und urplötzlich fing die junge Frau an wild loszuerzählen. Wir ergaben uns, das machte so gar keinen Sinn. Sie hatte ebenso wenig Plan wie wir, dafür aber ein großes Bedürfnis uns vollzuquasseln. Sie verstand nicht, dass die Zeit ein wenig drängte, da wir sonst wahrscheinlich nur noch Schlafplätze außerhalb der Stadt bekommen hätten. Und darauf hatten wir keine Lust.
Welch Glück, die nette Dame in der Touristeninfo konnte uns zum Schluss weiterhelfen, wir fanden die Herberge und checkten, ohne vorher große Überlegungen angestellt zu haben, in einen Double Room ein. Da die Rezeptionsdamen sowieso extrem angespannt waren, weil sie wahrscheinlich auf ihre heißersehnte Siesta warteten, wie kleine Kinder auf ihren Mittagsschlaf, wollten wir auch gar keine Details erfragen, sondern einfach das Lager beziehen.
Zu Anfang waren wir nur von dem Stockbett überrascht, hatten wir doch eigentlich mit einem normalen Doppelbett gerechnet. Später kamen noch so einige andere Überraschungen zum Vorschein, zum Beispiel die gepunktete Bettwäsche, deren Muster wohl kaum durch Textilfarbe entstanden ist, die bespränkelte Toilette und ein ungewöhnlich großer, schwarzer Haarbusch, der aus den Fugen der Dusche wuchs, den wir anfangs für eine überdimensional große Spinne hielten. Sachen gibts.
Dummerweise war nun gerade Siesta und somit machte es keinen Sinn draußen herumzulaufen. Darum warteten wir einfach ab, und versuchten die komischen Leute, die unten im Hof eine Mini Playback Show aus Superhits der vergangenen Dekade veranstalteten, zu ignorieren. Schade, dass alle Leute die Siesta konsequent einhalten, nur die Bekloppten da unten nicht. Eine Stunde später verzogen wir uns in die Stadt, um dem Wahnsinn hier zu entfliehen, schauten uns ein paar Läden an und versuchten uns etwas günstiges aber sauberes zum Anziehen zu kaufen, sodass wir später, um 21:30 Uhr zum Pilgersegen gehen könnten, ohne komplett verlumpt auszusehen. Und das war eine echte Herausforderung.
Die Zeit verging wie im Fluge und irgendwie hatte uns die Stadt kaum das gegeben, was wir uns erhofft hatten. Nur viel zu viele Leuten auf einem Haufen, einige wenige hübsche Gebäude und jede Menge teueres Essen. Mit unter auch die Pizza für 7,50€, die selbstverständlich "selbstgemacht" aus dem Tiefkühlfach kam. Auch fanden wir keinen einzigen Laden, der meine mittlerweile zum zweiten Mal defekte Kamera hätte reparieren, beziehungsweise mir ein neues Objektiv hätte verkaufen können. Das fand ich für eine solch große Stadt ziemlich ernüchternd. Jetzt schleppe ich das Ding doch wieder nutzlos durch die Gegend. Ebenso enttäuschend war die Tatsache, dass der Pilgersegen, den wir unbedingt mitnehmen, und uns bei der Gelegenheit auch die 5€ Eintritt für die Cathedrale ersparen wollten, bereits eine Stunde früher stattgefunden hatte, als uns gesagt wurde. Uns kam die Uhrzeit ohnehin spanisch vor.
Kurz gesagt: Heute ist einfach alles sauber in die Buchse gegangen.
Was macht man in einer solchen durch und durch verkorksten Situation (abgesehen von Sachen packen und weiterziehen)? Den einzigen Lichtblick des heutigen Tages aufsuchen! In unserem Fall, Molly's Irish Pub! Ein kühles Pils, ein paar Schnittchen, gute Musik und schon ist die Welt wieder in Ordnung. 
Außerdem muss ich sagen, mit ein paar Bieren intus schläft es sich gleich viel besser! :D

Impressionen des Tages: aufgrund ausgiebiger Unzufriedenheit fielen diese fotografisch eher mau aus

            die Cathedrale von León

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