Mittwoch, 27. Mai 2015

Mit dem Hammer kann man auch schrauben!

Es wurde gemessen, es wurde gebohrt, es wurde geschraubt. Ein ganzes Wochenende lang. Und immer wieder kreieren sich neue Ideen für zusätzliche Funktionen.

Wo man früher, sobald die Eltern die Haustür zugezogen hatten, um über das Wochenende wegzufahren, die Handytastatur heiß gewählt hätte, um eine wilde Hausparty steigen zu lassen, so hatten wir letztes Wochenende ganz anderes im Sinn: Wir würden die Werkstatt von Papa plündern und die granny in Schuss zu bringen! 
Hier war viel Platz, hier konnte man Dreck machen, keiner würde meckern, hier gab es alles, wirklich alles aus dem Baumarkt-Sortiment. Und es war gut, dass uns beim Werkeln keiner zugesehen hat. Das gewisse know-how kommt eben nicht von ungefähr und so probierten wir so lange hin und her, bis alles passte.
Danilo hatte eine Matratze besorgt, aus der ein flauschiges Bett werden sollte. Fraglich war zunächst nur, wie dieses riesige Teil im Innenraum des Autos und darauf sogar noch 2 Personen Platz zum Schlafen finden sollten. Also mussten erst einmal die Rücksitze ausgebaut werden. Relativ schnell war das erledigt und es konnte weitergehen. 
Als Nächstes waren die Sperrholzplatten dran, die wir uns im Baumarkt zuschneiden ließen. Hier und da mussten noch Ecken und Kanten abgesägt werden, damit das Ganze am Ende eine Art Bettgestell werden konnte. In der Zeit, in der Danilo sich mit der Stichsäge vergnügte, machte ich mich daran die Maße des Innenraums zu nehmen und diese auf die Matratze zu übertragen, damit ich sie zurechtschneiden konnte. Danach ging es mit Säge und Cutter ans Ausschneiden - hach, wie hat das Spaß gemacht! :) Nachdem wir beide fertig waren - und man kann es kaum glauben, keiner von uns hatte sich einen Finger abgeschnitten oder den Daumen festgenagelt -  durfte alles eingebaut und schlussendlich Probegelegen werden. Was anfangs aussah wie Tetris für Arme, passte nun nahezu lückenlos zusammen. Ich würde sogar sagen, dass man in unserer granny nun fast besser liegt, als in meinem eigenen Bett zu Hause!





Natürlich sollte uns nachher nicht jeder in unser Schlafzimmer gucken können, also haben wir uns eine Tönungssfolie besorgt. Jeder, der damit schon einmal zu tun hatte, wird sich jetzt wahrscheinlich an den hochroten, mit Schweißperlen übersäten Kopf greifen, denn das ist eine Arbeit, die man nicht mal an seinen Praktikanten abgeben würde. Mit einer 1-Euro-Sprühflasche aus dem Baumarkt, die weniger Wasser spuckte, als ein vertrocknetes Lama, einem Gummirakel und einem Haartrockner bewaffnet sagten wir der lichtdurchlässigen Scheibe den Kampf an. 
Um einige Nerven erleichtert klebte ein Teil der Folie bei Einbruch der Dunkelheit an der Heckschreibe, ein weiterer Teil an einem der hinteren Fenster, der Rest hatte es nicht überlebt und lag zerknüllt auf dem Boden. Dann war Feierabend, Material leer, Motivation aufgebraucht. Zum Runterkommen nähte ich am Abend noch Klettverschlüsse an einen alten Stoffrest, den ich in einem Schrank fand und fertigte unsere Gardine, die zusätzlichen Sichtschutz bieten sollte - hätte ich nur zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass dies nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war und ich mir den Aufwand hätte sparen können...

Nach dem Wochenende präsentierten wir meinen Eltern stolz unser Werk. Tja, da hatten wir die Rechnung ohne meinen Vater gemacht, denn jetzt wurde sein Spieltrieb entfacht und es sprudelten lauter neue Ideen aus seinem Kopf. So bekam unser Bettgestell plötzlich eine Klappfunktion, unter dessen Deckel wir nun "jede Menge" Stauraum haben und eine improvisierte Gardienenstange, die so bombenfest in den Autorahmen eingearbeitet wurde, sodass wenigstens diese den Trip überleben wird, komme was wolle! (Somit war auch der angenähte Klettverschluss hinfällig - juhu) 
Denn kaum hatten wir aus dem Personenkraftwagen eine 1-Zimmer-Wohnung gezaubert, motzte unsere granny ein wenig herum - gleiches Problem wie vorherige Woche - der Motor geht während der Fahrt immer wieder aus. Eigentlich schien das Wehwehchen der alten Dame behoben, doch jetzt trat die Altersschwäche wieder auf. Ironie des Schicksals? ;)
with a little help from my friends
 sitzt!  

Da Danilo des Weiteren jetzt stolzer Besitzer ein Paar Lowa Wanderschuhen ist, müssen diese natürlich eingelaufen werden. Trifft sich gut, denn auf diesem Weg können wir auch gleich einmal testen, ob und wie es sich nun wirklich in unserem neuen Bett nächtigen lässt. Das nächste Wochenende ruft!

Sonntag, 17. Mai 2015

Die Idee

Was macht man eigentlich in 2 Monaten Semesterferien? Diese Frage stellte ich mir bereits zu Anfang des Semesters. Eine ewig lange Zeit, von Mitte Juli bis Mitte September. Eigentlich habe ich den Sommer immer damit verbracht sämtliche Festivals abzuklappern, jetzt aber hatte ich mich mit einem sehr gefährlichen und hartnäckigen Virus infiziert - dem Reisefieber. Erst Ghana, dann Australien und Neuseeland. Und jetzt? Da kam ich schnell auf den Gedanken in den 2 Monaten ein wenig herumzureisen, um meine brennende Wanderlust zu stillen. Doch diesmal gab es ein Problem: Ich war nun Student(in) und das hieß in erster Linie folgendes: Kein Geld.
Aber das sollte nicht wirklich ein Hindernis sein, denn wie man mit wenig Geld um die Runden kommt, das hatte ich bereits am anderen Ende der Welt gelernt. Also beschloss ich, dass es eine gute Idee sei, irgendwo herumzutrampen. Reisen ohne Auto, dafür mit ausgestrecktem Daumen. Die Ausrüstung dafür hatte ich bereits und an Erfahrung, zu welchem Fahrer man ins Auto steigt, und wo man es lieber sein lassen sollte, mangelte es mir auch nicht. Wobei ich zugeben muss, dass es dabei zwischen dem fernen Australien und Europa doch einige Unterschiede gibt. Dort drüben war es nichts ungewöhnliches mal jemanden mitzunehmen, der mit Sack und Pack am Straßenrand herumsteht. Hier hingegen sind die Leute nicht ganz so offen.

Außerdem fand ich Gefallen an der Idee den Jakobsweg zu bestreiten, ein wichtiger Punkt mit Spitzenrang auf meiner bucket list. Aus geldtechnischen Gründen und aus meinem geografischen Verständnis (das bis dato, Gott sei es gedankt, besser ausgeprägt war, als noch zu Schulzeiten) heraus, befand ich es als sinnvoll,  Frankreich als Zielland zu wählen. Hier kannte ich mich einerseits einigermaßen gut aus und könnte mir andererseits renommierte Tipps meiner Eltern einholen, die die Atlantikküste wahrscheinlich schon öfter bereist haben, als ich mir vorgenommen habe an der Montagmorgens-Vorlesung teilzunehmen.

Zunächst einmal war es also an der Zeit meine Eltern und Danilo darüber in Kenntnis zu setzen, was sich für den Sommer ankündigte. Die Reaktionen waren absehbar.
Meine Mutter schüttelte den Kopf, sie hielt mich ohnehin für verrückt, nicht böswillig, aber unersättlich.
Ein junges Mädchen, dass die Füße nicht stillhalten kann, möchte lieber wieder durch die Weltgeschichte turnen, anstatt, wie ihre anständigen Kommilitonen und Kommilitoninnen, arbeiten zu gehen, sich auf Studendenparties zu vergnügen und sich die restlichen 8 Wochen im Schwimmbad oder am Badesee die Sonne auf den Bauch brutzeln zu lassen. Nun ja, genau so war es. Unvernünftig sein war schon immer meine Stärke. :) Und arbeiten konnte ich auch während des Semesters. Es war eben nur eine Frage der Zeit, bis es wieder losging und mein neurologisches Netzwerk die Pforte meines Gedankenkäfigs öffnete, um eine Möglichkeit zu finden, die schöne weite Welt zu erkunden. Mein Vater grinste nur.

Danilo hingegen war sofort angetan. Da er aber kein fauler Student, sondern berufstätig ist, dachte ich gar nicht erst daran, dass er mitkommen würde. Aber da hatte ich die Rechnung ohne ihn gemacht.
In Nullkommanix hatte er den Antrag auf 8 Wochen unbezahlten Urlaub ausgefüllt und war mental schon voll bei der Sache. Keine Woche später war der Antrag genehmigt. Nun waren wir schon 2 Hanseln mit einem Traum und keinem Plan.

An diesem galt es nun zu werkeln und das Brainstorming darüber hinwegfegen zu lassen. Anstatt zu trampen entschieden wir uns die Luxusvariante zu wählen und in Danilo's 27 Jahre altem weinroten VW Passat mit satten 105 PS zu reisen. "Zu reisen" heißt in unserem Fall darin wohnen, schlafen, kochen und essen, Unterschlupf bei schlechtem Wetter finden, Wäsche trocken, sich auf der Pelle sitzen...
Damit haben wir aber auch die Sicherheit, so Gott will, immer dorthin zu kommen, wo wir hinwollen.

Um das Gefährt reisetauglich zu machen, musste allerdings noch einiges passieren. Zunächst waren wir uns nicht wirklich sicher, ob dieses Auto in irgendeiner Art und Weise geeignet war, um 2 Monate darin zu leben, geschweige denn uns die mehreren tausend Kilometer zu transportieren.
Modernen Schnickschnack wie mal eben die Sitze umklappen, gab es hier nicht, diese müssten also herausgebaut werden. Bei einem solch alten Schlitten nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Die Liegefläche müsste ausgebaut und es müsste Stauraum für unsere Klamotten und Campingausrüstung geschaffen werden. Die Scheiben müssten abgedunkelt werden, Folie oder Gardinen? Das Auto sollte jedoch nicht zu "bewohnt" aussehen, da sonst die Gefahr bestünde, dass das Auto in unserer Abwesenheit aufgebrochen würde, denn wir wollten hauptsächlich wild campen. Außerdem würden wir ein verstecktes Schließfach brauchen, in dem wir all unsere Wertsachen unterbringen könnten. Hier hatte Danilo schon so seine Ideen. Einige mechanische Wehwehchen konnte Danilo zum Glück auch schon beheben, sodass die granny (Danilo beschwört zwar, dass es sich bei dem roten Flitzer um eine alte Dame handelt, bisher fehlt ihr aber noch ein gebührender Name!) zum Beispiel nicht mehr einfach ausgeht, sobald die Motordrehzahl herabsinkt. Guter Mann! :) Neue Reifen sind bestellt, die Versicherung wird erweitert, alles läuft Eins a.

Eine ungefähre Route haben wir auch bereits erstellt, ebenso wie einen Kostenplan. Bei letzterem ist aber absolut nicht absehbar, wie dieser getilgt werden soll! :D Da ich, im Gegensatz zu Danilo, kein festes Gehalt beziehe, sondern im Promotionbereich arbeite und zur Zeit ein wenig Pech bei meinen Jobs hatte, sind meine finanziellen Ersparnisse noch sehr überschaubar. Aber wir haben ja noch knapp 8 Wochen Zeit, bis es losgeht. Und zwar geht es dann knapp 1.350km quer durch Frankreich, bevor wir die 780 km von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela antreten und anschließend, wie auch immer wir das anstellen werden, von dort ca. 2.200 km an der Atlantikküste entlang die Heimreise antreten. Zu viel planen wollen wir nicht, nur ein paar Eckpunkte festhalten und dann Frei schnautze lostuckern. Wo es uns gefällt, da bleiben wir, wo es blöd ist, verschwinden wir wieder. 
Nächste Woche wird Danilo mit allem Equipment ausgestattet und wir fangen an das Auto umzubauen. Man darf gespannt sein, was dabei rauskommt! :)
Ein ganz anderes Problem stellte sich nun aber wie folgt dar: Wir wollen pilgern gehen. Was geschieht derweilen mit dem Auto? Im Internet lasen wir nach, dass unbeaufsichtigte Autos rund um den Pilgerweg sehr gerne geknackt werden. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen. Vorort wird zwar ein Stellplatz angeboten, der kostet aber wiederum 30 Euro pro Woche. Viel Geld. Da gibt es bestimmt noch eine andere Lösung...

Wie man sieht ist noch viel zu tun und zu überlegen. Aber das Wichtigste ist schon erledigt - die Entscheidung loszufahren ist gefällt! :)