Es wurde gemessen, es wurde gebohrt, es wurde geschraubt. Ein ganzes Wochenende lang. Und immer wieder kreieren sich neue Ideen für zusätzliche Funktionen.
Wo man früher, sobald die Eltern die Haustür zugezogen hatten, um über das Wochenende wegzufahren, die Handytastatur heiß gewählt hätte, um eine wilde Hausparty steigen zu lassen, so hatten wir letztes Wochenende ganz anderes im Sinn: Wir würden die Werkstatt von Papa plündern und die granny in Schuss zu bringen!
Hier war viel Platz, hier konnte man Dreck machen, keiner würde meckern, hier gab es alles, wirklich alles aus dem Baumarkt-Sortiment. Und es war gut, dass uns beim Werkeln keiner zugesehen hat. Das gewisse know-how kommt eben nicht von ungefähr und so probierten wir so lange hin und her, bis alles passte.
Danilo hatte eine Matratze besorgt, aus der ein flauschiges Bett werden sollte. Fraglich war zunächst nur, wie dieses riesige Teil im Innenraum des Autos und darauf sogar noch 2 Personen Platz zum Schlafen finden sollten. Also mussten erst einmal die Rücksitze ausgebaut werden. Relativ schnell war das erledigt und es konnte weitergehen.
Als Nächstes waren die Sperrholzplatten dran, die wir uns im Baumarkt zuschneiden ließen. Hier und da mussten noch Ecken und Kanten abgesägt werden, damit das Ganze am Ende eine Art Bettgestell werden konnte. In der Zeit, in der Danilo sich mit der Stichsäge vergnügte, machte ich mich daran die Maße des Innenraums zu nehmen und diese auf die Matratze zu übertragen, damit ich sie zurechtschneiden konnte. Danach ging es mit Säge und Cutter ans Ausschneiden - hach, wie hat das Spaß gemacht! :) Nachdem wir beide fertig waren - und man kann es kaum glauben, keiner von uns hatte sich einen Finger abgeschnitten oder den Daumen festgenagelt - durfte alles eingebaut und schlussendlich Probegelegen werden. Was anfangs aussah wie Tetris für Arme, passte nun nahezu lückenlos zusammen. Ich würde sogar sagen, dass man in unserer granny nun fast besser liegt, als in meinem eigenen Bett zu Hause!
Natürlich sollte uns nachher nicht jeder in unser Schlafzimmer gucken können, also haben wir uns eine Tönungssfolie besorgt. Jeder, der damit schon einmal zu tun hatte, wird sich jetzt wahrscheinlich an den hochroten, mit Schweißperlen übersäten Kopf greifen, denn das ist eine Arbeit, die man nicht mal an seinen Praktikanten abgeben würde. Mit einer 1-Euro-Sprühflasche aus dem Baumarkt, die weniger Wasser spuckte, als ein vertrocknetes Lama, einem Gummirakel und einem Haartrockner bewaffnet sagten wir der lichtdurchlässigen Scheibe den Kampf an.
Um einige Nerven erleichtert klebte ein Teil der Folie bei Einbruch der Dunkelheit an der Heckschreibe, ein weiterer Teil an einem der hinteren Fenster, der Rest hatte es nicht überlebt und lag zerknüllt auf dem Boden. Dann war Feierabend, Material leer, Motivation aufgebraucht. Zum Runterkommen nähte ich am Abend noch Klettverschlüsse an einen alten Stoffrest, den ich in einem Schrank fand und fertigte unsere Gardine, die zusätzlichen Sichtschutz bieten sollte - hätte ich nur zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass dies nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war und ich mir den Aufwand hätte sparen können...
Nach dem Wochenende präsentierten wir meinen Eltern stolz unser Werk. Tja, da hatten wir die Rechnung ohne meinen Vater gemacht, denn jetzt wurde sein Spieltrieb entfacht und es sprudelten lauter neue Ideen aus seinem Kopf. So bekam unser Bettgestell plötzlich eine Klappfunktion, unter dessen Deckel wir nun "jede Menge" Stauraum haben und eine improvisierte Gardienenstange, die so bombenfest in den Autorahmen eingearbeitet wurde, sodass wenigstens diese den Trip überleben wird, komme was wolle! (Somit war auch der angenähte Klettverschluss hinfällig - juhu)
Denn kaum hatten wir aus dem Personenkraftwagen eine 1-Zimmer-Wohnung gezaubert, motzte unsere granny ein wenig herum - gleiches Problem wie vorherige Woche - der Motor geht während der Fahrt immer wieder aus. Eigentlich schien das Wehwehchen der alten Dame behoben, doch jetzt trat die Altersschwäche wieder auf. Ironie des Schicksals? ;)
with a little help from my friends
sitzt!
Da Danilo des Weiteren jetzt stolzer Besitzer ein Paar Lowa Wanderschuhen ist, müssen diese natürlich eingelaufen werden. Trifft sich gut, denn auf diesem Weg können wir auch gleich einmal testen, ob und wie es sich nun wirklich in unserem neuen Bett nächtigen lässt. Das nächste Wochenende ruft!


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