Donnerstag, 13. August 2015

Tag 26 - Zwei Bergtrikots, ein Drecksack und Hundepipi

Die Betten waren so bequem, dass wir heute früh nur wider Willen aus dem Bett krochen. Noch war es dunkel draußen, doch unten in der Küche hörten wir schon, wie unser Gastgeber das Frühstück zubereitete. Der Duft von geröstetem Brot, heißem Kaffee und frischgepresstem Orangensaft schwirrte durchs Schlüsselloch direkt in unsere Nasen und lockte uns nach unten ins Esszimmer, wo eine gedeckte Tafel darauf wartete leergeputzt zu werden. Hah, einer unserer leichtesten Übungen! Anschließen fühlten wir uns gewappnet für den Trip auf den letzten hohen Berg nach El Cebreiro.
Unser Gastpapa füllte unsere Wasserflaschen auf, drückte uns ganz herzlich und schickte uns mit einem wohlherzigen Klopfer auf die Schulter zurück auf die große Reise. 
Das Feuer hatte sich über Nacht beruhigt. Es war kalt und nass draußen, von Rauch und Asche keine Spur zu sehen. Nun wurde auch die Natur wieder schöner, nichts war mehr tot oder verbrannt, hier sprieste das pure Leben. Regenwaldartige Pfade, leuchtend bunten Blumen am Wegesrand und tropisches Vogelgezwitscher. Und mittendrin gedeihte eine hektisch gestikulierende italienische Reisegruppe von mindestens 30 Kindern und Jugendlichen. Die zuvorige, als unkaputtbar angenommene Entspannung schlug schlagartig in einen Fluchtmechanismus um. Aber so sehr wir uns auch bemühten den Pulk aus fuchtelnden Armen und scharfen Zungen zu durchschwimmen, es gelang uns nicht. Auch die sich häufenden Berganstiege und die zunehmend methanlastige Luft in den zu passierenden Bauerndörfern erschwerte uns den Überholvorgang. Aber am Gipfel des Berges hatten wir es geschafft und wir durften unser sogar virtuelles rotgepunktetes Bergtrikot abholen, Richard Virenque wäre stolz auf uns.
Auf der Steilstrecke nach oben lernten wir Eduardo, einen brasilianischen Fotografen kennen, der großen Gefallen an Kurt fand und ihn immer wieder ablichtete. Eduardo war mit dem Rad unterwegs, aber so oft, wie er für einen guten Shot anhielt, war er keinen Meter schneller als wir unterwegs und so trafen wir uns spätestens alle halbe Stunde wieder.
El Cebreiro war leider gar nicht nach unserem Geschmack. Eine Kapelle mit defekten elektronischen Kerzen, reihenweise Souveniershops unter der Leitung abgenervter Verkäufer, Touristen en masse und überteuerte Unterkünfte. Es war wohl das Beste eine kleine Pause einzulegen und die Fährte erneut aufzunehmen. Bis zur nächsten Station Alto de Poyo ging es zunächst abgrundartig nach hinunter und umgekehrt vertikal wieder bergauf, so sehr, dass man sich beim Auftreten beinahe die Sehnen zerriss. Ein richtiger Drecksackberg! Mit zusammengebissenen Zähnen und schweissperlenübersähten Gesichtern besiegten wir den alten Decksack, warfen pustend und schnaubend die müden Arme in die Lüfte und erholten uns bei kalter Cola und lustigen Gesprächen mit alten Bekannten, die sich der Tortour hier hinauf auch schon ausgeliefert hatten. Anette aus den Niederlanden, Petra aus Österreich und ein Asiate mit etwas fragwürdigem Namen, Bom Fuck, wobei ich mir bei der Schreibweise nicht all zu sicher bin! :D Auf jeden Fall war es ein lustiger Kerl, der auf seiner Reise die Trennung von seiner Freundin verarbeiten wollte. Außerdem mit in der Runde war ein junger Kerl, der über die ganze Strecke hinweg seinen Hundewelpen mittrug, den er an seiner Brust unter der Jacke eingebettet hatte.
Der große Schäferhund des Barbesitzers, in der wir gerade saßen, war so freudig erregt über den Anblick des knuffigen Welpens, dass er schwanzwedelnd auf Bom Fucks Backpack pisste und auch nicht daran dachte damit aufzuhören. Wenn ich mich nicht irre, grinste der Vierbeiner sogar ganz verschmitzt dabei. Wir wiederum mussten daraufhin aufpassen, dass wir uns vor Lachen nicht selbst einnässten!
Aber so lustig es hier auch war, wir würden nicht bleiben, sondern noch einen Ort weiterziehen. Fonfría hieß dieser und sollte uns für die Nacht beherbergen. Die Herberge war riesig, in einem Schlafraum fanden locker 30 Hanseln Platz, in den anderen Zimmern noch weit mehr. Wir sicherten uns ein Doppelbett ganz hinten in der Ecke, in der Hoffnung heute von Schnarchbacken und Sabbermäulern verschont zu werden. Doch zunächst hatten wir damit zu tun, unsere Wunden zu lecken. Unsere Füße taten so weh, dass wir keinen unnötigen Meter mehr zurücklegen wollten und auch der Rücken und die Hüfte, auf der ja schließlich das meiste Gewicht lastet, schmerzten höllisch. Da merkt man doch, dass man noch lebt! :) 
Gerade lagen wir halbwegs entspannt auf der durchgelegenen Doppelmatratze, da kam ein Schwall Radfahrer herein und belegte die restlichen freien Betten. Laut und lästig. Italiener. Heute hatten wir es irgendwie mit denen. Dabei hatten wir vorher noch nie Trouble mit der Stiefelbevölkerung, ganz im Gegenteil. Als sie sich dann aber fürs Abendessen verzogen, konnten wir noch einmal durchatmen und getrost wegschlummern. Bis die Horde Wannabe-Cipollinis zurück in das mittlerweile komplett schlafende Zimmer kam und Unruhe verbreitete. Einer furzte, einer scharchte, der Rest gickelte vor sich hin. Schlaf, Kindlein, schlaf...

Impressionen des Tages:
                      go, go, go!!!!
     da hat jemand gar keine Lust mehr
                    ...geschafft!!!!!
den kleinen Kumpel hier haben wir vor einem fleischrünstigen Babyotter gerettet

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