Montag, 31. August 2015

Lach- und Sachgeschichten mit Danilo

Heute: Geschichten hinter dicken Mauern

Die Sonne kitzelte unsere Nasen, als sie den stechend blauen Morgenhorizont hinaufkletterte. Heftig blinzelnd und noch etwas verdattelt rieben wir uns den Schlaf aus den Schlitzaugen, die sich noch gar nicht so wirklich öffnen wollten und sich vom Tageslicht ziemlich überfordert fühlten, reckten und streckten unsere eingeschlafenen Glieder und kletterten ins Freie, wo uns eine Überdosis Frischluft entgegenbließ. Mit einem tiefen Atemzug füllten wir unsere Lungen mit dem taufrischen Sauerstoff, man konnte buchstäblich spüren, wie dieser unseren gesamten, noch ziemlich schläfrigen Körper wachrüttelte und wir plötzlich voller Tatendrang auf dem jetzt sehr bevölkerten Parkplatz standen.
Heute warteten einige hundert Kilometer auf uns. Ein guter Grund, um früh aufzustehen, herzhaft, ausgiebig zu frühstücken und sich bald auf die Socken zu machen. Denn ein paar spannende Ausflüge erwarteten uns heute an diesem noch sehr sonnigen Tag. Und so tuckerten wir bester Laune Richtung Nantes und von dort aus einmal quer durch die westliche Bretagne, bis wir nach mehr als 3 Stunden endlich wieder Meerwasser erblicken konnten. Genau genommen landeten wir planmäßig in Saint Malo. 
So ungefähr wusste ich ja, was uns erwarten würde, aber das es tatsächlich so cool sein würde, hätte ich nicht gedacht. Zunächst einmal mussten wir uns von der Granny trennen. Mit einem glücklichen Händchen konnten wir sie für ein paar Stündchen auf einem bis auf die letzte Lücke besetzten Parkplatz loswerden. Beim Aussteigen erst bemerkten wir, was für ein Sauwetter sich hier zusammengebraut hatte. Zugunsten unserer Regenjacken, so bekamen auch sie endlich einmal wieder Auslauf, wer will schon tagelang ungebraucht im Auto herumliegen?
Wenige Schritte später befanden wir uns bereits inmitten der von steinalten Festungsmauern umrandeten Altstadt. 
 der "Eingang" zur Altstadt

Durch das Tor Saint-Pierre stolzierten wir, auf dem holprigen Pflastersteinboden, hinunter zum Meer. Wir hatten Glück, das gerade Ebbe war. 


So konnten wir umherlaufen, über die Sandbank, geschmückt mit bunten Muscheln, Steinen, Meerespflänzchen und käseweisen Touristenbeinen, und das Fort National besichtigen. Sobald wir den Eingang der Inselburg passiert hatten, begaben wir uns auf eine Zeitreise und fanden uns im frühen 18. Jahrhundert wieder. Mit der Historie, die uns in gedruckter Form als Broschüre, sogar in deutscher Sprache, ausgehändigt wurde, konnten wir uns perfekt in die damalige Zeit und die aufgeführten Geschehnisse hineinfinden. Danilo studierte die Broschüre bis ins Details und erklärte mir anschließend wie einem Schulkind, was sich einst hier zugetragen hatte, währenddessen ich interessiert lauschte. 
Die Errichtung der Festung basierte darauf die dahinter liegende Stadt vor feindlichen Angriffen von Meeresseite zu schützen. Wenn man da so an den dicken, klammen Außenmauern steht, von denen man dachte, dass sie unzerstörbar wären, sich an ihnen festhält und in die Ferne blickt, kann man sich nur all zu gut vorstellen, wie es damals gewesen sein musste, wenn dort plötzlich eine kriegsbereite Flotte am Horizont erschien und genau wusste, dass es gleich böse scheppern würde. 
Teufelsschiff, eine Straße, die nach einer legendären, aber dennoch toten Katze benannt ist, Schießpulvergefechte und Kugelhagel - es gab viel zu sehen und spannende Geschichten an jeder Ecke zu entdecken. Wir hätten uns stundenlang hier aufhalten können, doch es gab ringsherum noch so viel mehr zu sehen. 
 der Ausblick vom Fort National - das Wetter passte 1a  zu den schaurigen Geschichten, die sich hinter den dicken, kalten Steinwänden verbargen

So zum Beispiel ein prächtiger Hügel, Fort du Grand Bé genannt, der sich bei Flut ebenfalls zur Insel verwandelt. Auf einem Schild konnten wir lesen, wie wir uns bei überraschendem Gezeitenwechsel zu verhalten hätten. Da diese hier ungeahnt zügig umswitchen können, und zudem bis zu 12 Meter Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser mit sich bringen, sollte man sich also tatsächlich besser an die Ratschläge der Stadt halten und gemäß den Fall, man würde von dem wiederkehrenden Wasserstrom kalt erwischt werden, ist es das ratsam einfach abzuwarten.
Kaum, dass wir das Schild gelesen hatten, bemerkten wir, dass die Sandinsel, über die wir soeben noch gelaufen waren, Stück für Stück weniger wurde. Wir hatten also nicht mehr all zu viel Zeit. Doch wollten wir uns noch ein weiteres Fort in unmittelbarer Nähe anschauen. Fort du Petit Bé.
 der Fußweg und Aufstieg zum Fort du Petit Bé
Wenn hier die Flut einsetzt, kann der Gehsteig zurück zum Festland schon einmal um einige Stunden versperrt werden. Doch in der heutigen Zeit ist man hier sehr gut vorbereitet. Überall hängen Gezeitenpläne, die wir zwei Vollspezialisten natürlich gekonnt ignoriert hatten. Also kletterten wir wagemutig den Anstieg hinauf. Oben angekommen machte uns der Pförtner klar, dass wir den Klettereinsatz umsonst gemacht hatten; der Zugang sei ab jetzt bis zur nächsten Ebbe geschlossen. Na klasse Willi! Als dann auch noch ein dicker, tollpatschiger Ordner im gelben Fischermantel auf dem unteren Steinweg vor dem Fort herumstolperte und durch das Megafon in seiner Hand verlauten ließ, dass alle Besucher sich umgehend zum Festland begeben sollen, gaben wir die Diskussion, dass wir doch bloß einen schnellen Blick hineinwerfen wollten, auf und traten die Rückreise an. Aber auch am und auf de Festland gab es noch einiges anzuschauen.
Zwar ist die Altstadt mittlerweile äußerst touristisch, aber wer kann es ihr verdenken. Zumal die Location mit ihrer Historie sowieso alles wett macht. Also Leute, für alle Burgenfreunde unter euch ist das hier ein absolutes visuelles und kulturelles Schmankerl! Aber auch alle anderen kommen auf ihre Kosten; die Schickimickis, die in der heutigen Altstadt ihr Monatsgehalt für Gucci und Co. aus dem Fenster schmeißen wollen, die Kletter- und Kraxelfreunde, die auf den nassen, klitschigen Felsen herumklettern und sich ein Bein brechen wollen, die Historiker, die einmal mehr eine schauderhafte Geschichte hören und studieren wollen, die Kinder, die Muscheln, Steine und Meeresbewohner sammeln, gegebenenfalls auch mal geschmacklich austesten wollen, ob sie einen guten Fund gemacht haben, ja sogar für die Leute, die eigentlich gar nicht wissen, was sie hier verloren haben, denn die können sich von Süßwarengeschäften, stupiden Souvenier Shops und Kinderattraktionen belustigen lassen. Zu mindestens 2 der gerade genannten Gruppen gehören wir auf jeden Fall dazu! Alles in allem war es ein sehr gelungener Ausflug!


 Danilos neuer Freund...
 ...den er versuchte anzufüttern...
 ...und der neu gewonnene Freund vor lauter Übermut von der Mauer plumpste! 
Gott sei Dank hatte das Vieh Flügel!
 Was auch immer wir da in der Patisserie erworben hatten, es war pink, klebrig, machte süchtig und brachte Übelkeit. Aber lecker war's!

Doch der Tag war ja noch lange nicht zu Ende. Zurück in der Granny, setzten wir die Segel zum nächsten Ziel: Le Mont Saint Michel
Nur eine Stunde später kamen wir dort an. Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass sich hier in den vergangenen 9 Jahren, seitdem ich zuletzt hier gewesen war, doch einiges verändert hatte. Aus einer hübschen Burgfestung, welche von einer lächerlichen Zahl an Touristen, die man an einer Hand abzählen konnte, besichtigt und von echten Einwohnern besiedelt wurde, ist ein massentouristisches Spielzeug mit Souvenir-Prägemaschinen und Toiletten-Business geworden. Ich erinnere mich noch gut daran, dass man damals auch hier auf die Gezeiten achten musste. Heute war der Zugang zur Insel so gut ausgebaut, dass sogar hochmoderne, ja fast schon überirdische Space-Shuttlebusse umherpendelten, um die Unmengen an Menschen von dem 8-flächigen, beschrankten und maßlos überteuerten Besucherparkplatz zum Eingang zu bringen. Der Parkplatz befindet sich wohl angemerkt einige Kilometer weit von der Festung entfernt. Die erste halbe Stunde parken ist frei. Da man aber, egal ob mit Bus oder zu Fuß, weitaus länger als 30 Minuten braucht, es sei denn man heißt Usain Bolt oder Speedy Gonzales, um alleine nur zum Eingang zu gelangen, ist das bloß ein heimtückisches Lockmittel. Aber damit muss man sich hier abfinden. Wir entschieden uns für die Fuß-Variante. Nach einer Stunde kamen wir der Burg immer näher. Doch nun war die Flut gekommen und versperrte den feigen Besuchern unter uns, die sich ihre Stöckelschuhe nicht schmutzig machen wollten, die letzten Meter zum Eingang. Zugegeben stand das Wasser kniehoch auf dem Steg, doch das bisschen Pfütze könnte uns wohl kaum daran hindern auf die andere Seite zu kommen. "Das bisschen Pfütze" verursachte tatsächlich so viel Trubel, dass sogar die Polizei und ein komplettes Taucherteam mit Unterwasserstrahlern und voller Ausrüstung anwesend war, um den Besucherstrom in Schach zu halten, und eventuell einzugreifen, falls jemand zu ertrinken drohte. Dieses Bild war einfach unfassbar. Unterdessen zogen wir Schuhe und Hosen aus, wir hatten ja schließlich immer Badesachen drunter, und spazierten in aller Ruhe ans gegenüberliegende Ufer. Nicht aber ohne dumme Blicke von den Stelzenträgern zu kassieren, die sich vor lauter Augengerollen beinahe die teure, wasserfeste Mascara verschmierten. Es gab sogar Leute, die uns filmten. Ist das zu glauben?
Drüben angekommen, konnten wir uns wieder bekleiden und drehten eine Runde auf diese sagenhaften Bau mit den unendlich vielen Treppenstufen - nach 247 habe ich aufgehört zu zählen -, den vielen kleinen Gängen und schmalen Pfaden. Leider war es schon zu spät, um die Kathedrale zu besichtigen, also beschlossen wir am nächsten Morgen wiederzukehren und machten uns jetzt auf die weite Reise zurück zu unserem Auto. Das war auch gut so, denn ein Gewitter zog auf und breitete sich über unseren Köpfen aus. Keine Minute zu früh erreichten wir den Parkplatz, sattelten die Pferde und fuhren hinaus. Mal abgesehen von dem trouble, den uns unser Parkticket machte, weil der Kassenautomat es nicht auslesen konnte... Im nächsten Ort fanden wir ein geeignetes Fleckchen, wo wir übernachten konnten. Mit leichtem Prasselregen auf dem Dach und 100% Luftfeuchtigkeit schlumerten wir ein.

Eigentlich war der Plan am Morgen ganz früh aufzustehen, um zurück zur Burg zu laufen, und von dort aus den Sonnenaufgang anzuschauen. Doch die fetten Regenwolken wollten sich einfach nicht verziehen. Eigentlich war es uns um 05:30 Uhr in der Früh auch gerade recht, dass wir uns noch einmal umdrehen und wieder einschlafen durften. Doch gegen 08:00 Uhr wollten wir endlich los. Ab und zu muss man sich einfach mit den Gegebenheiten abfinden und auch bei Dreckswetter losziehen. Gerade das macht manchmal doch ganz schön viel aus, denn dieses düstere Wetter passte doch prima zu der Burgenkulisse. Und spätestens als "And when the rain begins to fall I'll be the sunshine in your life" aus dem Radio trällerte und Danilo plötzlich voll in sein Element fühlte, als er singend und heftig spastischen Handbewegungen versuchte die überflüssige Luft aus seinem Tanzbereich zu peitschen - wohlbemerkt alles, währenddessen er am Steuer saß -, war die Welt wieder in Ordnung.
Dieses Mal mussten wir uns nicht einmal "naggisch machen" um zur Insel zu kommen. Wir organisierten uns Kombitickets für alle Museen, die es auf der Insel zu besichtigen gab und zogen los. Wir sahen eine spektakuläre, visualisierte Ton- und Lichtshow über die gesamte Inselgeschichte, Ritterburgen, mittelalterliche Lebensweisen, Foltermethoden und Schneekugeln, passend zu Thema, die uns am Ende jedes der 4 Museen angedreht werden wollten. Anschließend wartete noch der Höhepunkt der Festung auf uns: Die Abtei Mont-Saint-Michel. Eine Baut, die man, für meine Begriffe, kaum in Worte fassen kann. Wenngleich sie heute vergeblich mit sinnloser "Kunst" aufzuwertet versucht wurde, das Original ist faszinierend genug und immer noch genauso überwältigend, wie ich es damals empfunden habe. Riesige Räume und Säle, in denen einst vielleicht die dollsten Parties gefeiert wurden, das Mönchsreflektorium, der Kreuzgang mit seinen einzigartig verzierten, malerischen Säulen und seinem grünen Mittelpunkt, das Plateau, von dem aus man meilenweit blicken und staunen kann und natürlich die Abteikirche selbst. Nach knapp 2 Stunden traten wir beflügelt den Heimweg an, diesmal ließen wir uns sogar vom Space-Shuttlebus chauffieren, damit wir die knappe Stunde nicht unnötig auf unserem Parkticket belastet bekämen würden. Doch unser Plan ging nicht ganz auf. Steht ein Auto länger als exakt 01:59:59 auf dem Parkplatz, springt die Uhr um und man muss automatisch den Satz für 24 Stunden zahlen. Insgesamt hatten wir uns an den 2 Tagen gerade einmal 3 Stunden hier vergnügt und waren zack 50 Euro ärmer. Doch wenn man bedenkt, das andere Leute sich nur 10 Minuten anderweitig vergnügen und anschließend 18 Jahre lang zahlen müssen, war unsere Rechnung doch nur eine Schüssel voll Peanuts.

Sei es drum, wir zahlten und machten uns vom Acker, um den restlichen Tag zu nutzen.
Heute würden wir ein anderes, düsteres Kapitel aufschlagen.

Impressionen von le Mont Saint Michel:
grau in grau: französischer Hochsommer und außerirdische Mondfahrzeuge zum Transport von ebenso außerirdischen Touristen mit gefährlichen selbstfotografierenden Metallstöcken, die gerne auch einmal - gewollt oder ungewollt - als Waffe missbraucht werden - Vorsicht ist geboten!







Samstag, 29. August 2015

Ein herber Verlust

Nach unserem Abschieds-Frozen-Yogurt warfen wir noch einen letzten Abschiedsgruß durch das heruntergekurbelte Fenster und verließen schweren Herzens unser kleines Paradies. 
Ein wirkliches Tagesziel hatten wir uns nicht vor Augen, doch wollten wir die Gironde irgendwie überqueren, ohne die 2 Stunden Extrafahrt, die es gekostet hätte, um drum herum zu fahren, in Kauf nehmen zu müssen. Am besten ging das mit der Fähre von Le Verdon nach Royan. Schlappe 31 Euro leichter und wir drei waren berechtigt on board zu gehen. Der Dapfer schifferte uns die 6 km (Luftlinie) lange Fahrtstrecke nur in 20 Minuten. Ohne jegliche Anstrengung, dafür mit jeder Menge Kindergeschrei und Mövenkot.

Die Einfahrt nach Royan wirkte recht unecht mit dem großen Riesenrad, das so wie aus dem nichts emporragte. Lange wollten wir uns hier nicht aufhalten und so fuhren wir recht zügig weiter, bis die Sonne ihre letzten Strahlen eingepackt hatte und in den wohlverdienten Feierabend verschwand. Nun war es an der Zeit ein stilles Plätzchen zu finden. Leichter gesagt als getan. Eine ganze Weile fuhren entlang dunkler Landstraßen, die nur vom Schein des Mondes erhellt wurden, der ab und zu mal lunste, um zu sehen, was in der Welt so vor sich ging. Immer mal wieder durchfuhren wir kleine Städtchen, doch hier gab es kein freies Parken, dafür Halli Galli an jeder Ecke, wovon auch wir uns schließlich anstecken ließen. Abermals stoppten wir, um uns einen nächtlichen Markt anzuschauen. So unbelebt die Seitenstraßen auch waren, umso großer war das Getummel im Zentrum. Es schien, als würde man von einer Welt in die nächste stolpern. Verkaufsstände so weit das Auge reicht, ein Warensortiment so ausgedehnt und beinahe schwachsinnig, wie man es sich nur im entferntesten Sinne vorstellen kann, schön zum anschauen, bummeln und bald wieder zu vergessen.
Als der Hunger sich meldete, suchten wir unsere Granny auf, denn auf überteuertes Touristenschmaus oder fast food hatten wir gar keine Lust. Es gibt doch nichts über Baguette und Käse! :)
Doch unser Problem hatten wir immer noch nicht gelöst - Wo schlafen wir heute? Na, versuchen wir es einfach mal im nächsten Ort, oder irgendwo auf der Strecke. Eine gute Idee, wie sich herausstellte. Denn wie aus dem Hut gezaubert reflektierten plötzlich unzählige weiße Kästen aus der Dunkelheit. Wohnmobile, in Reih und Glied, eines neben dem anderen. Hier waren wir richtig. Eigentlich suchten wir bloß einen geeigneten Fleck zum Drehen und fanden uns plötzlich auf einem Camping Parkplatz mit direktem Zugang zu Meer. Na dann, auch gut! Weil es hier aber schon so finster war, gaben wir uns geschlagen und besichtigten den Strand erst am folgenden Morgen. Danilo, der Fuchs, packte heimlich ein Frühstückspaket in seinen Rucksack und so konnten wir in der Morgensonne und Ausblick auf die Surferfraktion einfach aber einzigartig frühstücken.
überraschendes Frühstück am Strand, kurz vor La Tremblade

 Den Tag wollten wir nicht ausschließlich im Auto verbringen und so legten wir hier und da ein paar Stopps ein. Zum Beispiel auf der 34 km langen "Mimoseninsel" Ile d'Oléron, die mit durch die Viaduc d’Oléron mit dem Festland verbunden ist. Hier gab es vor allem die Citadelle zu bewundern. Eben auch der Ort, an dem ein wichtiges Mitglied unserer Reisegemeinschaft verloren ging. Unser allseits geliebter und wertgeschätzter, überlebenssichernder Gaskocher. Den pflegten wir bei heißen Temperaturen gerne draußen zu platzieren, auch wenn das vielleicht übertrieben ängstliche Hintergründe hatte. Irgendein Arschgesicht (Entschuldigung!) hatte sich unseres Eigentums bereichert, währenddessen wir die Gemäuer der alten Citadelle begutachteten. Somit gestaltete sich die Zubereitung unseres Mittagessens, das aus Nudeln mit Tomatensoße hätte bestehen sollen, als sehr kompliziert. Jegliche Versuche den kleinen, blauen Mann zu ersetzen, scheiterte. Das Essensangebot auf der Insel war recht mager, außer 2 armen Apfeltaschen, die einsam in der Bäckertheke vor sich hinalterten, gab es hier nicht viel zu holen. Bloß Frischware, die zubereitet werden musste. Also vergassen wir mal unsere Nudeln, und wandelten die Überreste aus Tomaten, Zwiebeln, den Knoblauch und ein Reststück Baguette in  in eine Bruschetta um, die es in sich hatte. Als Danilo anschließend auch noch in einen äußerst geruchsintensiven, taufrischen Hundehaufen getreten war, und leider mit den Schuhen auch schon im Fahrerraum stand, als wir es bemerkten, war unser Schicksal besiegelt. Die Insel meinte es nicht gut mit uns. Wir sollten abhauen, bevor sich noch jemand den Fuß brechen würde. Wir schauten uns noch die ein oder andere Stadt an, dinierten in einem feinen aber durchaus bezahlbaren Restaurant und hielten bald , wie jeden Abend, Ausschau nach einem Platz zum Nächtigen. Aber zuvor wollten wir unbedingt noch Duschen. Das wiederum war noch wesentlich schwerer zu erledigen. Wir fuhren mehrere Strände ab, doch nicht an einem einzigen fanden wir eine Outdoor Dusche. Aber dann gab uns ein bekannter Spruch die Lösung für das Problem: "Dreistigkeit siegt!". Es war bereits 21:30 Uhr, als wir klamheimlich auf den Parkplatz eines Campingplatzes fuhren und die Granny abstellten. Rasch packten wir Handtuch und Shampoo in einen Rucksack und liefen wie selbstverständlich auf das Campinggelände, den Blick starr auf den Duschkomplex gerichtet, wachsam wie ein Kampfhund und gefährlich wie ein Zwergmops. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so schnell geduscht, wie an diesem Abend, dabei war das warme, weiche Wasser so angenehm. Der Moment, als wir den Wasserhahn zeitgedrungen zudrehten, war wirklich fies. Schnell wuschelten wir uns die Haare ein wenig trocken, zogen uns die alten Klamotten an, um nicht unnötig aufzufallen, und liefen Richtung Tor, das sich um 22:00 Uhr schließen würde. Jetzt war es 22:51 Uhr, als wir 2 Personen erspähten, die am Torhäuschen standen und sich leise unterhielten. Bitte, bitte keine Securities! Je näher wir kamen, desto mehr richteten die beiden Gestalten ihre Aufmerksamkeit auf uns. Im düsteren Licht der Straßenlaterne konnten wir erkennen, dass es ein älteres Ehepaar war. Vielleicht die Besitzer, die gleich den Eingang schließen würden? Wir ließen uns nichts anmerken und liefen ungehindert Hand in Hand und uns unterhaltent, als hätten wir nichts zu verbergen Richtung Ausgang. Kurz bevor wir die Schwelle des Tores übertreten konnten, sprach uns die grau gelockte Dame mit unverzogener Miene an. Uns ging die Muffe, was wollte sie? Auf für uns unverständlichem Kauderwelsch stellte sie uns eine Frage. Wir schauten uns fragend an. "Noues ne parlons pas francais" oder so ähnlich. Die Frau fing an zu lachen und machte eine Geste, die uns klar machte "Ist schon okay, danke trotzdem!". Puuuuh, Glück gehabt. Was auch immer sie wollte, es hatte nichts mit uns zu tun. Nichts wie weg hier.
Einige wenige Kilometer weiter, am Plage de Riez, fanden wir einen geeigneten Stellplatz für die Nacht - kostenfrei. Im Mondschein räumten wir unser Bett frei und kuschelten uns in die Schlafsäcke, um uns aufzuwärmen und taumelten schlaftrunkend ins Land der Träume.

Impressionen des Tages: irgendwie ist nur dieses eine Foto entstanden...

Freitag, 28. August 2015

On detours to Schlaraffenland

Der Morgen begann miesmuschelig. Es war uns nicht gegönnt einen Fuß ins Freie zu setzen, denn es war immer noch stürmisch und wolkenbrüchig. Der arme Danilo, der sich trotzdem nach draußen gewagt hatte, um sich einen Kaffee zu organisieren, kam zurück wie ein begossener Pudel.Widerspruchslos verlegten wir unseren Brunch in die Granny. Das war zwar ziemlich eng, dennoch angenehmer als da draußen.
Guten Mooooorgen Sonnenschein!

Nun aber mal Butter bei die Fische. Wir mussten uns etwas einfallen lassen. Eigentlich wollten wir doch Surfen, jetzt hockten wir antriebslos in der Granny und wussten nicht so wirklich was wir mit uns angefangen sollten. Aber je weiter wir die Küste hinauffuhren, desto teurer war die Leihgebühr für Board und Suit. Wir grübelten, überlegten hin und her, argumentierten. Auch wenn es unvernünftig war, wir entschieden uns dafür wieder nach unten zu fahren, dorthin, wo wir günstig surfen gehen können würden,zurück Richtung Moliets-et-Maa. Das war es uns wert, auch bei schlechtem Wetter! Zack war die Granny umgeräumt und wir saßen erleichtert und froh endlich wieder ein Ziel zu haben im Auto und fuhren die Küste hinunter. Auf dem Weg kamen wir an Hourtin vorbei. Auch das war mir ein Begriff aus früheren Zeiten, ich bat darum einen kleinen Umweg zu fahren. In Hourtin Plage, so kann ich mich erinnern, hatten wir damals schon einmal 3 Wochen Camping-Urlaub gemacht und mir hatte es sehr gut gefallen, auch wenn damals das Wetter auch miserabel war. Egal, ich wollte es zu gerne noch einmal sehen.
Scheinbar hatten wir uns am Tag des jüngsten Gerichtes gut geschlagen, oder wir hatten unser Karma gut gepflegt. Jedenfalls erwartete uns hier der Ort an dem Milch und Honig fließen. Oder eher Ebbe und Flut in unserem Fall. Hourtin Plage war wider Erwarten das, was wir gesucht hatten. Vielleicht war es ein Wink vom Himmel, dass wir hier stoppten, bevor wir die 80 km bis nach Moliets unnötig heruntergerissen hätten. Es passte einfach alles! Das Wetter wurde besser, die Leihgebühr im Paket kostete nur 21 Euro, das Essensangebot gefiel und wir fanden sogar einen tippitop guten Stellplatz für lau. Hier sammelten sich so einige kleine Busse, in denen Surfer und Hippies hausten. Also brauchten wir auch keine Bedenken zu haben von der Polizei vertrieben zu werden. "Die fahren hier zwar jeden Abend mal ihre Runde, aber es juckt sie im Prinzip nicht, wer hier steht. Bloß offenes Feuer solltet ihr vermeiden. Wir ziehen das schon satte 3 Wochen durch.", berichtete uns eine Gruppe von Berlinern.
Optimal! Es gab sogar ein Klohäuschen und Tische und Bänke, schattig war es auch. Also schlugen wir hier erst einmal unser Lager für die nächsten Tage auf, schnappten uns unsere Badesachen, den Geldbeutel und ein Handtuch und liefen zum Strand. Auf dem Weg liehen wir uns zwei Bretter und 2 Anzüge aus. Danach gab es keine Ausrede mehr, ab ins Wasser! Nach 2,5 Stunden waren wir ausgepowert aber glücklich. Das Grinsen konnte uns heute keiner mehr aus dem Gesicht treiben.
So wie dieser Tag endete, folgten die 3 nächsten Tage. Wir bauten uns einen kleinen Alltag auf: Jeden Morgen frühstückten wir backfrische, noch warme Chocolatines, liefen in das Städtchen, dass nur aus dieser einen Straße mit Cafés, Restaurants und Surf Shops bestand, liehen wir in unserem favorisierten Shop unsere Board und Suit aus, liefen damit zum Strand und surften den ganzen Tag. Mittags legten wir eine kleine Mampf- und Schmauspause ein, kochten etwas oder, meistens, kehrten wir im Café unseres Vertrauens "Café de la Plage" ein. Hier gab und gibt es die wohl besten Burger und Pommes der Welt, das beste Personal und eine gemütliche Athmosphäre. Tipp an euch: Jeder, der mal dort sein sollte, ich kann euch einen Besuch nur schwerstens ans Herz legen! Es schmeckt wahnsinnig gut! Und vorallem, probiert mal das hier:

Das ist der SHIT! Frozen Yogurt <3

Nach dem Schmausen ging es zurück aufs Brett. Einige male hauten die Wellen uns schon böse vom Board, doch von ernsthaften Verletzungen blieben wir Gott sei Dank verschont. Und jedes Mal, wenn wir herunterfielen, wuchs der Ehrgeiz nächstes Mal stehen zu bleiben, bis wir es eigentlich recht gut draufhatten. Abends wurde abgerechnet, doch der gleichermaßen stonedte und beschwibste Kerl an der Kasse verrechnete sich ab und zu gerne einmal zu unseren Gunsten. Auch in Ordnung. Den Leuten hier schien es sowieso egal zu sein und wir freuten uns über einen Frozen Yogurt mehr! :)
Nach dem Abendessen fielen wir meist total erschöpft ins Bett und schliefen wie die Murmeltiere bis zum nächsten Morgen durch.Wir lebten also wie die Könige und wollten auch gar nicht daran denken, dass wir irgendwann einmal weiterziehen müssten. Doch der Tag kam, an dem auch wir zusammenpacken mussten...

Impressionen des Tages:

 irgendwo auf dem Weg zwischen Biscarrosse und Hourtin...ganz schön frisch hier!

 ich weiß leider gar nicht mehr wann und wo diese Bilder entstanden sind...laut Kamera jedenfalls irgendwann, bevor wir Hourtin erreicht haben



 unser Stellplatz, erstmal die wiederkehrende Sonne genießen

 Sonnenuntergang und Bierchen! :)


 
 Frühstück in der Granny
 weiter geht's!!!


 Energie sammeln, mhhhhhhhh yummi!
 naja, Übung macht den Meister


ein abendlicher Spaziergang
 Wer war heute wohl mit Abwasch dran...
 der Abschieds-Frozen-Yogurt.... :((
!!!!!!!!