Donnerstag, 9. Juli 2015

von Ritalin zu Methadon

Die letzten Wochen war es tatsächlich sehr ruhig, zumindest was die Planungen unserer Reise angehen. Der Grund dafür ist simple: Die Klausuren standen vor der Tür. Da blieb nicht wirklich viel Zeit zum träumen und somit legte ich das Thema vorerst einmal auf Eis. Leichter gesagt als getan. Whatever, wie jedes Mal habe ich es nun auch dieses Mal irgendwie hinter mich gebracht. Und jetzt, wo der ganze Stress der letzten Wochen begraben liegt, weiß ich kaum was mit meiner freien Zeit anzufangen. Ich muss mich nicht mehr von morgens bis abends wie ein ritalinbetäubter Zombie am Schreibtisch rumdrücken, sondern bin wieder ein "freier Mensch". Also, was tun mit der vielen Freizeit? Ach wie gut, dass der Urlaub vor der Tür steht. Somit habe ich wieder eine Aufgabe, die meine volle Aufmerksamkeit beansprucht - mein persönliches Methadon: Die Reiserei. Die Kreuzchen im Kalender häufen sich und bereits kommenden Sonntag, in wohlbemerkt 3 1/2 Tagen soll es losgehen. Ohweija... Bis dahin ist ja noch einiges zu erledigen. Allerdings haben wir zwischenzeitlich ja doch auch einiges geschafft bekommen. 
Danilo hat seine Wohnung zwischenvermietet und ist offiziell seit 01. Juli "obdachlos", wohnt mal hier und mal da und versucht sich so Stück für Stück auf die nächsten Wochen vorzubereiten. Heute hatte auch er endlich seinen vorerst letzten Arbeitstag. Das heißt ab morgen werden die letzten (Sicherheits-)Vorkehrungen getroffen und dann gehts ab!

Die Backpacks sind sogar schon weitesgehend gepackt und wir achten darauf, dass wir zum pilgern nicht mehr als 10 - 11 kg dabei haben, denn gerade bei der Hitze dort unten bereut man jedes unnötige Gramm Gepäck. Also gibt es für jeden 2 Paar Hosen, 2 Pullis, 3 T-Shirts, 1 lange Hose, 2 Paar Socken und 3 Paar Unterhosen und eine Tube Formil. Fertig.

Von unserem Plan uns körperlich ein wenig auf den Marsch vorzubereiten sind wir ziemlich abgedriftet, stattdessen haben wir uns in unserer freien Zeit lieber auf Festivals und Parties rumgetrieben. Ich bin mal gespannt, ob wir das nächste Woche zu spüren bekommen, denn genau in einer Woche werden wir bereits den ersten Fuß auf den Camino de Santiago in Saint Jean Pied de Port setzen. 

Irgendwie klingt das immer so lässig, wenn ich sage: "Ach, ich gehe mal eben 780 km pilgern..." aber jetzt, wo mein Geschwafel langsam aber sicher in die Tat umgesetzt werden soll, sehe ich dem ganzen etwas realistischer ins Auge. 35 Tage JEDEN TAG laufen, laufen, laufen, bei Temperaturen um die 30 Grad und mehr, mit Gepäck auf dem Buckel, das kann einen doch schon mal an seine Grenzen bringen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir uns riesig freuen bald die Biege zu machen!

Fakt ist aber auch, dass wir nicht "zusammen" pilgern werden. Das hat 2 einfache Gründe: 

a) Ist der Camino eine Wanderung, auf der man ein wenig in sich geht, über Gott und die Welt nachdenkt und sich über viele Dinge klar wird. Das geht eben nicht immer zu zweit. 
b) Haben wir mit Sicherheit ein unterschiedliches Lauftempo und werden nicht durchgehend Schritt halten können.

Meine Theorie ist ja, dass Danilo zu Anfang des Tages immer Vollgas gibt und wie ein HB-Männchen davon sprintet und mich in seinem Windschatten zurück lässt, aber spätestens um die Mittagszeit seine Kräfte schwinden und ich grinsend an dem sabbernden und hechelnden Herrn vorbeiziehen werde. Als Wiedergutmachung bekommt er abends dann eine Extraportion Magnesium und einen Powerriegel.

Aber wir werden bestimmt hin und wieder ein paar Stückchen gemeinsam gehen, so ist es ja auch gewollt und natürlich trifft man sich immer am Ende des Tages in der Jugendherberge bzw. zum gemeinsamen Zeltaufbauen. Grundsätzlich macht den Camino aber jeder für sich. Anschließend haben wir ja schließlich noch 3-4 Wochen um uns gegenseitig auf den Wecker zu fallen. :)

Nunja. Was wir in den letzten Wochen noch geschafft haben ist unter anderem die Anschaffung eines neuen Zeltes. In kackbraun. Zur Tarnung und so. Danilo hat bereits versucht unsere neuen 4 Wände aufzubauen - ich glaube, er braucht noch ein wenig Übung.
Desweiteren besitze ich nun ein aufblasbares Kissen und Danilo einen eigenen Schlafsack, der nun getrost gerne wieder in meiner Wohnung vergessen werden darf, eine elektrische Kühlbox, die uns hoffentlich helfen wird, dass wir in der Granny nicht gebruzelt werden, einen Gaskocher, jede Menge Kleinkram, den man eben so braucht, bliblablubb.

Gehandwerkelt wurde auch wieder. Und zwar hatten wir bedenken, dass wir bei der Hitze kein Auge zu machen können werden, wenn es in der Granny so heiß ist. Die werte Dame verfügt ja auch leider nicht über eine Klimaanlage, aber in dem Alter...wer will es ihr verübeln. Fenster auflassen beim Wildcampen wäre eher semi günstig gewesen. Also mal mit der erfahreneren Fraktion beratschlagen, was man tun kann. Natürlich dauerte es nicht lange und es war eine Lösung gefunden. Selbst ich musste über die Art und Weise schmunzeln.



Aus einem alten Dingsbums, dass einer Kunststoffplatte mit cent-stück-großen Löchern ähnelte, haben die Männers mit Hilfe einer Schablone 2 solcher Dinger gebastelt, die man nun ganz easy in die Fensterrahmen hineinschieben kann. Um das ganze zu fixieren, wurden diese noch mit 2 zurechtgeschnittenen anderen Dingensens, die sich wohl Paneelleisten schimpfen (hier auf dem Bild allerdings nicht zu sehen), stabilisiert, die sich zwischen die beiden Kunststoff-Dinger und die Fensterscheiben schmiegen und der Konstruktion nun auch während der Fahrt festen Halt geben. Man merkt schon, dass ich von der Materie gar keine Ahnung habe und ich mich somit mehr oder minder aus der ganzen Sache rausgehalten habe. Aber ich bin nun stolzer Mitbesitzer solcher 2 Dingsbumsdinger, die uns hoffentlich den Erstickungstod ersparen werden. Bei der Produktion versuchte sich jeder der beiden Männer an einem Fenster, der eine links, der andere rechts. Soviel sei gesagt: Beide Fenster sind auf irgendeine Art und Weise "dicht" geworden, die eine Seite recht professionell, die andere...naja...eher weniger. Wer nun für welches Werk verantwortlich war? :D Interpretationssache.

hier noch ein Schnappschuss vom making-off

Auch wurde unserer Granny noch einmal grundlegend unter die Haube geschaut, denn sie denkt sich mittlerweile immer mehr neue Geräusche aus, um uns nervös zu machen. Aber da hat sie die Rechnung ohne uns gemacht! :) Das Baby läuft und schnurrt wie eine Babykatze. Die etwas verschnupft ist und Keuchhusten hat.
 da macht das Schrauben noch Spaß!

So ihr Lieben, der Countdown läuft. Bis die Tage!


p.s: ach ja, zum Einstimmen gibts übrigens jeden Tag den fantastischen Frank Turner. Hört doch mal rein! :)

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