Freitag, 24. Juli 2015

Tag 9 - Ein ganz normaler Tag

Eine ruhige, entspannte Nacht lag hinter uns. Wenn man die beiden hektischen Asiaten mal außer Acht lässt, die ständig in irgendwelchen Plastiktüten herumgruschelten und mit ihren Handyleuchten den ganzen Raum ausstrahlten, natürlich auch immer schön in die Gesichter der Schlafenden. 
Trotzdem, sachte wie immer, starteten wir in den Tag, machten uns ein Gourmetfrühstück und stifelten ganz gemach los. Die erste Hälfte der Tagesstrecke huschten wir nur so herunter, ebenso schnell durchquerten wir die erste Stadt, Najera, die ohnehin nicht wirklich was zu bieten hatte, außer hässliche Plattenbauten, zerfallene Häuser und seltsame Menschen. Bloß in der Altstadt war es etwas hübscher.
Die Aufführung haben wir leider verpasst
Nach der Stadt kam wieder lange gar nichts, bis auf lange Teerbahnen, Stein- und Feldwege, die einem ausgetrockneten Flußbett gleichten, und unendlich viel Ackerfläche. Keine Bäume, kein Grün, kein Wasser, nur trockenes Getreide ringsherum, soweit das Auge reichte. Die Sonne heitzte die Welt um uns herum immer weiter auf und wir hingen wie die Hamster an unseren Wasserflaschen, bis diese keinen Tropfen Flüssigkeit mehr hergaben. 
Noch immer war keine Stadt, kein Dorf, kein Brunnen in Sicht. Wie ein Wink des Himmels erschien auf der flimmernden Straße eine Französin mit ihrem Esel und ihrem Hund, die uns aushelfen konnte. Die junge Frau, 26 Jahre alt, war mit ihren beiden Vierbeinern ganz alleine unterwegs, auch nicht schlecht. Und wir mussten dank dieser Engelserscheinung also doch nicht verdursten. Leider haben wir die 3 nicht fotografiert...
Dann, endlich, hinter einer Kuppe erschienen die ersten Dächerspitzen von Cirueña. Wenn wir jetzt noch eine halbwegs annehmliche Herberge finden würden, wären wir gerettet. Leider machte uns das Plakat, das uns zur einzig aufgelisteten Unterkunft in dieser Ortschaft führte, wenig Hoffnung. Beim Betreten des schlumpfblauen Hauses roch es schon etwas moderig. Der Hausvater, der uns wenig später gegenüber stand, machte auch keinen besseren Eindruck. Er sah so aus, als hätten wir ihn gerade dabei unterbrochen Frankensteins Monster zum Leben zu erwecken. 
Na, da wollten wir doch wirklich nicht weiter stören; wir hörten auf unser beider alarmierendes Gefühl und ließen den Halbglatzigen weiterwerkeln.
Die beste Entscheidung, die wir hätten treffen können, den tatsächlich fanden wir noch eine andere Herberge, recht neu, modern, sauber, mit Balkon und abgetrennten Schlafbereich von den anderen Schnarchnasen. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen gab es auch schon Abendessen mit all den anderen Gästen. Mit Gästen meine ich zwei ältere Schwedinnen, die ursprünglich aus Polen stammten, einen Dänen, einen Tschechen, ein junges Mädel aus Litauen, die spanischen Gastgeberinnen und natürlich uns zwei deutschen Kartoffeln. Das Essen war der Oberknüller; zwar nicht unbedingt sehr ausgefallen, aber in der Menge so viel wir wollten. Eigentlich waren wir nach der Vorspeise, Spaghetti mit 3 verschiedenen Tomatensoßen, schon kurz vorm Platzen, aber wir wollten ja nicht unhöflich sein. Die netten Spanier bestanden darauf uns satt zu essen und keinen Gang auszulassen. Zum Schluss konnte noch zwischen Joghurt, Obst und Eis gewählt werden. Dazu gab es eine Extraportion anregender Gespräche aus aller Welt, jeder erzählte von seinen persöhnlichen Erlebnissen auf dem Camino und wir hatten eine Menge Spaß zusammen, auch wenn die Altersspanne bestimmt einen Altersunterschied von minimum 40 Jahren betrug. Hier ging es nicht darum, wer oder was man war, sondern nur um das, was man gerade machte, und das war ja bei jeden so ziemlich das Gleiche. So sollte es immer sein. Durch und durch zufrieden, mit einen lächeln auf den Lippen ließen wir den Tag enden.

Achja, bevor ich es vergesse! Heute haben wir die 200 geknackt!

Impressionen des Tages:
        der Weg der ersten Halbzeit...

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