Bei den noch recht kühlen Temperaturen ließ sich der erste Aufstieg ziemlich einfach laufen, sodass wir bald Alto de Person, die Spitze des Berges, erreicht hatten.
Hier oben standen unwarscheinlich viele Windkrafträder, die vor sich hinbrummten. Der folgende Abstieg war alles andere als human. Steil ohne Ende, lose Steine wo man hinschaute und hintrat. Viel anstrengender als nach oben laufen, da man jeden Schritt drei Mal überdenken musste, da man sonst einen grazilen Abgang hingelegt hätte. Zudem das natürlich extrem in die Knie geht. Aber hey, es war machbar! :)
Wieder heil unten angekommen hatte Danilo riesige Lust auf Bananen, also tat er alles dafür welche zu bekommen. Zuerst gab es nur Äpfel und Orangen, dann vertröstete man ihn mit einer halben Melone, doch beim dritten Versuch bekam er seinen Willen. Wie ärgerlich, dass die Bananen steinhart und echt eklig waren! :D
Halbzeit feierten wir an diesem Tag in Uterga. Hier hatten wir einen schmackhaften Lunch, eine kleine Auszeit zur Normalisierung unseres Pulses und unseren heißersehnten Fußsohlenwechsel.
Eine Weile später hatten wir dann auch schon das Tagesziel erreicht: Puente la Reina. Da uns das nicht reichte, wanderten wir das Stück bis Cirauqui weiter.
Hier stellte ich mit Entsetzen fest, dass meine überalles geliebte Kamera den Geist aufgegeben hatte. Nach näherer Begutachtung war klar, die Kamera war wohl auf, das Objektiv jedoch hat sich beim herunterkullern von einem unserer Backpacks auf tragische Weise das Genick gebrochen. Es zuckte zwar noch ab und an, aber jetzt kam jede Hilfe zu spät. Darum wird es in Zukunft auch nur noch Handybilder zu sehen geben. :-/ Und zu allem Unnütz muss das Ding, obwohl wir es nicht mal mehr nutzen können, weiter bis nach Santiago mitgeschleppt werden.
Nach einer kleinen Trauerfeier beschlossen wir noch einmal loszulaufen, soweit uns unsere blasigen Füße tragen würden, hoffentlich jedoch bis ins 6,3 km entfernte Lorca.
Eigentlich ist das ja keine große Strecke mehr und laut Plan sollte es nur bergab gehen. Aber wie schon so oft zuvor festgestellt, können die Franzosen, von denen dieser Plan stammt, wohl keine Karten zeichnen. Wie auf dem Gitter einer Achterbahn ging es auf und ab, währenddessen die Autobahn neben uns fast ganz gerade verlief. Anhand dieser konnten wir auch immer wieder sehen, wie endlos weit es noch sein müsste, denn nirgendwo konnten wir eine Ausfahrt nach Lorca entdecken. Zu allem Überfluss gingen auch noch unsere Wasservorräte zur Neige und die Sonne ballerte was das Zeug hielt, ohne auch nur eine einzige Wolke zwischen sich und uns kommen zu lassen. Grenzen erreichen - einer unserer Beweggründe, warum wir den Camino laufen - der sollte heute erfüllt werden! Eine Stunde später war immer noch kein verflixtes Dorf in Sicht! So langsam began ich mich ein wenig zu sorgen, denn wir fanden weder eine Wasserstelle, noch ein schattiges Plätzchen, um uns kurz ausruhen zu können. Aber wie ihr seht, haben wir Lorca trotz der schwierigen Umstände gefunden. Ein letzter Anstieg leitete uns direkt in eine schmale Gasse, in der wir ein offenes Garangentor erblickten, in der Getränkeautomaten deponiert waren. Innerhalb von 2 Minuten schütteten wir literweise Wasser und Softgetränke in uns herein, um unsere ausgetrockneten Blutbahnen wieder unter Befluss zu setzen. Das kann msn sich in etwa wie ein verdorrtes Flussbett in Afrika vorstellen, durch dass zum ersten Mal nach der Trockenzeit wieder Wasser fließt und alles drum herum wieder anfängt lebendig zu werden und zu erblühen. Unsere Mienen erblühten ebenfalls und wir hatten ein meterbreites Lachen im Gesicht, einfach nur deswegen, weil wir es zusammen geschafft hatten.
Nun hatten wir nur noch eine Aufgabe für heute, und die lautete "Schlafplatz finden". Das erste Hostel war bis auf die letzte Matratze ausgebucht. Glück hatten wir in der Herberge gegenüber.
Danilo war sogar so großzügig und buchte uns in einen Double Room ein - ein Zimmer ohne laute, schnarchende Fremde, sogar mit Klimaanlage. Der Besitzer war ein ganz lieber, älterer Mann, der sich schier freute uns etwas Gutes zu tuen.
Nach dem allabendlichen Ritual und dem Dinner verzogen wir uns in unseren kleinen, eigenen Raum. Da wir uns einige Blasen an den Füßen zugezogeb hatten, funktionierten wir diesen kurzfristig in ein O.P. Zimmer um. Etwas anders als unsere Freunde aus Larrasoaña verzichteten wir auf Nadel und Faden und schwörten auf Nagelknipser und Desinfektionsspray. Füße und ihre Krankheiten sind wirklich schon etwas Widerliches. Mit schmerzverzogenen Gesichtern lagen wir wenig später im Bett, schmissen ein Hörbuch an und entspannten uns. Es dauerte keine 5 Minuten und wir schliefen ein.
Morgen wartete der nächste Gipfel auf uns.
Übrigens: Heute haben wir die 100km geknackt!!! :)))))
Impressionen des Tages:











Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen