Donnerstag, 23. Juli 2015

Tag 5 - Eine Ladung Glück

Heute morgen wachten wir ziemlich ausgeschlafen und erholt auf, gleich viel besser als in einem Mehrbettenzimmer, wie in den Nächte zuvor. Sachen packen und ab runter, um dort fix etwas zu frühstücken und loszumaschieren. Zum Glück war es heute Früh auch noch ziemlich kühl, die erste Hälfte des Weges brachten wir schnell hinter uns, aber nicht ohne Aua hier und Aaaaautsch mhhhhh da. Unsere Beinmuskulatur schafft es mittlerweile gar nicht mehr über Nacht zu entspannen und ebenso wenig unsere Sehnen und Gelenke. Die Wanderschuhe, die ja ohnehin schon 1 Nummer größer gekauft wurden, sind jetzt so eng, dass unsere Quanten nur mit Mühe und Not in ihr Haus passen. Alles ist dick angeschwollen und tut weh, neue Blasen wachsen auf alten Blasen, Laufen sieht aus wie bei einem Storch mit gebrochenen Beinen, aber das gute Gefühl am Ende des Tages macht alles wett!
Trotz der Hitze kamen wir relativ gut voran und schafften es noch vor 14:00 Uhr in Azqueta anzukommen, wo uns ein alter, hargerer und dürrer Opa, der sein Gesicht inklusive Zahnlücken hinter einem krauseligen Ziegenbart versteckte und sich mit aller Kraft an seinen Gehstock klammerte, zusah, wie wir auf einer schattigen Bank mit nettem Ausblick eine kurze Ruhepause vor dem Endspurt einlegten und unsere Füße gegenseitig begutachteten. "Nur noch 2 Kilometer!", motivierte uns der lustige Alte und lachte sich kaputt.
Aber er behielt Recht und so kamen wir so früh wie noch nie an unserer heutigen Endstation an. Das war auch gut so! Denn in dem kleinen Ort namens Villamayor de Monjardin gab es nur 2 Herbergen. Die erste war bereits ausgebucht, die zweite hatte nur noch eine Hand voll Betten frei. Und die waren innerhalb von 10 Minuten vergriffen. Danach wurden noch begrenzte Schlafplätze in den Fluren vergeben. Wir sahen einige arme, verschwitzte Pilger kommen, die kein Glück hatten, und wieder abdampfen mussten. Und dampfen taten die wirklich, kein Wunder bei der Hitze!
Zum Abendessen setzten wir uns mit einigen Franzosen und 2 aus Kalifornien zusammen auf die Terasse und genossen Wein, Käse, Barguette, Kalte Melone und sonstige Leckereien zusammen und unterhielten uns in einer lockeren Runde, währenddessen die Linie auf dem Thermometer ganz langsam herunterkletterte.
Um halb 9 nahmen wir die Einladung des  Hostels zu einer gemeinsamen Meditation wahr. Ich hätte ja nie gedacht, dass wir es schaffen würden dabei wirklich zu entspannen, doch die Atmosphäre, die Musik und alles drum herum machten es so perfekt, dass wir mit geschlossenen Augen, in einem Kreis auf dem Boden eines alten Stall- oder Lagerraumes saßen und in eine andere, spirituelle Welt abtauchten. Eine halbe Stunde verharrten wir so, jeder für sich. Um uns wieder zurück zu holen, gab es zum Abschluss eine Tasse heißen Tee und ein paar anregende Gespräche.
Danilo hatte nach dieser Entspannungsphase natürlich vorallem eines im Kopf: ESSEN. Zu gut, dass das Restaurant nebenan noch geöffnet hatte, er bestellte eine Portion Calamares,
danach fielen wir wie 2 Sandsäcke ins Bett. Die Nacht versprach allerdings nicht sonderlich erholsam zu werden, fing der ältere Mann in dem 8er Zimmer doch kräftigst an die Stempel von den Stockbetten beben zu lassen, ein Wunder, dass er davon nicht selbst aufwachte! Denn hier halfen nicht einmal unsere Ohropax...

Impressionen des Tages:
unser lunch: Vollkornkekse, Weichkäse und Chrizo - irgendwo muss ja gesparrt werden...
          mhhhhhh, wie EKELHAFT! :D
     einfach zu heiß! Pause im Schatten!
             das Ziel ist greifbar Nähe!

     der vorgezogene Mitternachtssnack
...und er hätte sooo gerne etwas davon   abbekommen



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